Montag, 17. Oktober 2011

Erfolgsvermeidungsstrategien Teil 1

Im Web existieren inzwischen abertausende Webseiten, Foren und Blogs, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihrer geneigten Zielgruppe entscheidende Hinweise auf dem Weg zum erfolgreichen Schriftsteller mitzugeben.
Herr Gray fand jedoch, dass in dieser unübersehbaren Anzahl von Ratgeberwebseiten und -Blogs, eine ganz bestimmte Zielgruppe bislang noch niemals bedient worden ist: 

Jene Menschen, die literarischen Erfolg um jeden Preis VERMEIDEN möchten. Für diese spezielle Zielgruppe ist diese neue Serie innerhalb von Herrn Grays Blog konzipiert worden. 


Creative Writing Kurse – die Mutter allen Erfolgs-Übels

Wir alle, die wir uns dem Wahren, Schönen, Guten verpflichtet haben, wissen ja: Macht weint nicht. Macht kopiert nicht. 

Macht steht stets und ständig für sich allein. 

Und die Macht – das ist unwiderstehliches, authentisches Talent. 

Doch selbst die größten Talente waren niemals vollständig vor Versuchungen gefeit. 

Daher will ich Dich, lieber Leser, in diesem Blogpost über die wohl furchtbarste Form der Versuchung informieren, die sich Dir auf Deinem Weg in die weite und so ruhmreiche literarische Welt in den Weg stellen wird.
Richtig: Es handelt sich um so genannte Creative Writing Kurse, zuweilen auch als Literaturseminare oder als Das Literaturstudium bekannte Veranstaltungen. 
Du glaubst, dass solche Veranstaltungen ausgerechnet für Dich keine Versuchung darstellen können? Immerhin bist Du ja einer, der so seltenen Vertreter des authentischen Genies und daher über solche Versuchungen weit erhaben.  
Ich rate Dir jedoch: Überwinde Deinen Drang diesen Blogpost achtlos zu übergehen!  Gerade auf so überschäumende authentische Talente wie Dich, lieber Leser, richtet sich die volle Wucht der Marketingmaschine der Literaturseminare und Creative Writing Kurse. 
Daher unterschätze diese Versuchungen besser nicht, folge mir einfach ins Labyrinth der Tricks und Kniffe der Profiteure solcher Veranstaltungen. 

Ich bin sicher: Du wirst es nicht bereuen, denn wie bei allen Betrügereien ist es auch in diesem Falle natürlich so, dass man seine wahren Intentionen unter vollmundigen Versprechen verbirgt. Und Versprechen sind verführerisch. Selbst für Genies. 
Schauen wir also einmal, was sich konkret hinter diesen vollmundigen Versprechungen verbirgt. Betrachte diesen Blogpost einfach als eine Art von Schutzimpfung, ausgeführt mit Hilfe abgeschwächter Erreger, deren Gift Dich und Dein authentisches literarisches Talent sowieso nicht ernstlich zu bedrohen vermag. 
Zunächst einmal ist zwischen zwei verschiedenen Gattungen jener Veranstaltungen zu unterscheiden. 
Die erste Gattung, erwartet selbst von einem Talent wie Dir, nichts weiter als ein in der Regel recht beachtliches Honorar zu überweisen, um Dir Eintritt in die vermeintlich so Heiligen Hallen des Creative Writing Kurses verschaffen zu können.  
Die zweite Gattung ist daran zu erkennen, dass man dort wesentlich raffinierter dabei zu Werke geht, Dich zu ködern. Indem man von Dir erwartet, dass Du eine Probe Deines Talentes zur Verfügung stellst, bevor man Dich als Kursteilnehmer willkommen heiß. 

Selbstverständlich reichte im Grunde auch eine schlichte Einkaufsliste aus Deiner Feder, lieber Leser, als entsprechender Talentnachweis bereits aus. 

Weswegen es Dir jederzeit ein leichtes wäre, eine solche Probe Deines Könnens der fraglichen Institution als Probe Deiner Meisterschaft zuzustellen. Was wirklich dahinter steht, ist der Versuch Dir vorzuspiegeln, Du könntest während jenes Kurses endlich einmal mit Gleichgesinnten und gleichermaßen Talentierten zusammen kommen.  

Gehen wir also davon aus Du lieber Leser hättest tatsächlich der Versuchung nachgegeben und fändest Dich daher nun zwischen anderen neugierigen Kursteilnehmern in irgendeinem pragmatisch kühl eingerichteten Schulungsräume wieder, gespannt darauf, was Dich wohl erwarten möge. 
Was genau ist es nun, das Dich dort erwartet? 
Ein konzertierter Angriff auf Deine Art zu denken, zu schreiben und Dich mit Kritik auseinanderzusetzen. Dazu gedacht, Dich in ein ganz bestimmtes intellektuelles und stilistisches Korsett zu zwängen. 

Denn, vergiss nicht, lieber Leser: Talente wie Du sind gefährlich für das literarische Establishment. Du verfügst über eine instinktive Neigung zum literarischen Experiment und der sprachlichen Erneuerung. Eben das ist es, wovor eine sehr gut geschmierte Publikumsverlagsmaschinerie Angst hat. Und: Angst haben muss. Scheut sie doch in Wahrheit das wirkliche Talent, wie der Teufel das Weihwasser. 
Weshalb magst Du Dich ein wenig verwundert fragen. 

Betonen nicht gerade Vertreter der Verlagsindustrie immer wieder, dass ihnen nichts so sehr am Herzen liege wie literarisches Talent? 

Dies sind jedoch reine Lippenbekenntnisse, lieber Leser. 

Worum es der Verlagsindustrie in Wahrheit geht, ist schnöder Umsatz und möglichst gewaltige Absatzzahlen. 

Wahres literarisches Talent kann sich da nur störend auswirken. Was hier gefragt ist, sind stromlinienförmig getrimmte Literatur-Klone, einer so belanglos und glatt wie der andere.
Haben wir nunmehr die wirkliche Intention hinter der Veranstaltung solcher Schreibkurse aufgedeckt, wenden wir uns im Folgenden den Mitteln zu, welche man dort dazu anwendet, sich im geheimen Auftrag der Verlagsindustrie authentischer Talente wie Deinem ein für alle Mal zu entledigen. 
Sieh einen Creative Writing Kurs einfach als „Boot-Camp“, bei dem es dem Drill-Sergeant darum geht, durch psychische Demütigung jegliches authentische Kreativpotenzial in den Kursteilnehmern zunächst zu zerstören, um sie anschließend nach seinen eigenen Maßgaben als Mainstream hörige Literatur-Klone wieder aufzubauen.

Mittel # 1: Klassikerkopie
Zunächst einmal wird man die Kursteilnehmer dazu bringen sich mit den Texten so genannter Klassiker/Bestsellerautoren auseinanderzusetzen. 

Hintergedanke dabei, ihren innovativen Schreib- und Denkstil im Sinne der Verlagsindustrie und deren Produktlinien besser beurteilen und dann im weiteren Verlauf des Kurses umso besser umpolen zu können.  
 
Mittel #2: Gruppendynamische Vernichtung
Glaubt man damit erste Erfolge verzeichnet zu haben, geht man dazu über die Kursteilnehmer durch geschickte Manipulation der Gesetze der Gruppendynamik dazu zu verleiten, ihre Texte der Kritik der übrigen Kursteilnehmer auszusetzen. 
Gerade beim Mittel der Gruppenkritik wird man besonders darauf achten, dass diese bei authentischen Talenten besonders hart und ungerechtfertigt ausfällt. 

Und zwar schon allein deswegen, um jene wahren Talente in eine psychologisch unterlegene Position zu manövrieren, von der aus es ihnen noch schwerer fällt, sich gegen die von den übrigen Kursteilnehmern vorgebrachten Scheinargumente angemessen zur Wehr zu setzen.

Mittel #3: Selbstkritik
Man bezeichnet diese Taktik auch als „Selbstkritik“. Sie ist vor allem innerhalb totalitärer Parteien und in bestimmten religiösen Sekten beliebt. 
Im Kern geht es dabei darum, die Kursteilnehmer nach dem Kritikbombardement durch die Gruppe einer weiteren raffinierten Demütigung auszusetzen, indem man von ihnen verlangt, dass sie sich vor der Gruppe zu ihren vermeintlichen Fehlern bekennen und diesen quasi abschwören. 

Diese „Selbstkritik“ stellt den letzten Schritt innerhalb der bewussten Zerstörung authentischen Talentes dar.  



Mittel #4: Umpolung des Kreativpotenzials der Kursteilnehmer

Dieses Ziel wird vor allem durch mal offen, mal heimlich vorgebrachtes Lob für die wenigen Abschnitte der Texte erreicht, die vermeintlich den Vorgaben der Verlagsindustrie und deren Definition von Mainstream-Literatur entsprechen. 

Hintergrund dabei: Den betreffenden Kursteilnehmern zu suggerieren, sie hätten ihr wahres Potenzial für „erfolgreiches Schreiben“ bislang nur nie erkennen und nutzen wollen. Und sich bislang verbissen auf literarischen und stilistischen Irrwegen getummelt. 

Mit diesem Lobangriff einher gehen schwammig gehaltene Versprechungen einen persönlichen Kontakt zu einem erfahrenen und verständnisvollen Vertreter der Verlagsindustrie vermitteln zu wollen. 

Mit dem Zuckerbrot des Erfolges beim großen Publikumsverlag vor Augen, so glaubt man, würde sich noch jedes auch noch so verbissene authentische Talent, schon den Anforderungen des vermeintlichen Mainstream-Geschmacks beugen.

Schlussworte: 
Nunmehr immunisiert gegen die wohl gefährlichste Versuchung der gemeinen Publikumsverlagsindustrie entlasse ich Dich, lieber Vertreter der Zielgruppe zum nächsten nicht weniger spannenden Blopost innerhalb der Reihe „Wie vermeide ich jeglichen Erfolg als Autor“. 

In jenem zweiten Bloghpost wird sich alles um die Pest, die Krätze, die furchtbarste Zumutung auf Ihrem Weg ins literarische Abseits überhaupt drehen: den/die Kritiker. 








Montag, 10. Oktober 2011

„United Artists“ – die Zukunft des Indie-Ebooks


 
Herr Gray ist sich nicht zu schade ab und an seine Kristallkugel zu bemühen, um sich darin einen Eindruck von der Zukunft zu verschaffen. Was diesen Blogpost betrifft, hat er sich jedoch gar nicht erst die Mühe gemacht, seine Kristallkugel abzustauben. Für die Prophezeiungen hier genügte ihm allein sein gesunder Menschenverstand. Der derzeit recht unübersichtliche Ebook-Markt wird sich in Zukunft noch weit mehr aufsplitten.
Das ist eine gute Nachricht für uns Autoren.
Denn: der Ebook- Markt wird zugleich auch auf Jahre hinaus ein immenses Wachstum erleben. Sein Wachstum wird –angefeuert durch die Konkurrenz der massgeblichen Vertriebsplattformen– so groß sein, dass sich darin selbst für Autoren von ausgesprochenen Nischen-Titeln ein gutes Auskommen realisieren lassen wird. Viele jener Autoren werden allerdings eine beachtliche Anzahl ihrer Verkäufe gar nicht mehr nur auf Amazonien oder dem iTunes-Store erwirtschaften, sondern über ihre strategisch gut vernetzten Shops und die eigenen Blogs und Webseiten.
Denn genau hier, auf den untereinander gut vernetzten Autorenwebseiten liegt mittelfristig die Zukunft der Ebook-Autoren. Nicht alle unter uns werden diesem Zukunftstrend folgen können. Oder überhaupt folgen wollen. Sich innerhalb der immer schneller werdenden Entwicklung innerhalb des Ebook-Marktes zu behaupten, erfordert nicht nur eine langfristige Strategie, sondern auch spezielle Fähigkeiten auf deren „Ausbeutung“ sich womöglich nicht alle geschätzten Kollegen einlassen werden. Was ehrenwert ist.
Webseiten und Blogs wollen klug untereinander vernetzt,  bedient, gefüllt und am virtuellen „Leben“ gehalten werden. Und das teilweise über einen relativ langen Zeitraum hinweg, bevor sich von über sie irgendwie auch nur ein müder Euro Einnahmen erwirtschaften lässt.
Nur ein Beispiel aus der Praxis: mein Blog hatte in fünf Monaten etwas über 5.000 Klicks. Und die Werbeanzeigen für die Ebooks, die ich darauf platziert habe, brachten mir über Amazons Werbe-Partnerprogramm bislang die stolze Summe von 1, 78 Euro an Einnahmen ein. Gewaltig, nicht wahr?
Bravo, Herr Gray!  
Rechne ich die hunderte Stunden gegen, die ich für die Pflege meines Blogs bisher aufwandte, so scheint das finanzielle Ergebnis schlichtweg lächerlich.
Oder – eben womöglich doch nicht: denn noch immer verkaufe ich um die 20-30 Bücher pro Tag, an manchen Tagen sogar so einige mehr.  Was mir Tag für Tag Einnahmen zwischen 50 und 75 Euro pro Tag beschert. Hochgerechnet auf einen vollen Monat ergibt das ein ganz nettes Zubrot zwischen 1.200 und 1.700 Euro. Mancher Facharbeiter oder gar Uniabsolvent in diesem unserem Land verdient weniger. Diese Umsätze meiner Titel erziele ich nicht durch Lesungen mit angeschlossenen Buchverkäufen, ich erziele sie nicht einmal nur mit einem ganz angenehmen Chartplatz in Amazons Kindle Store, sondern durch meine Präsenz im Internet, deren wichtigstes Element eben mein Blog darstellt, der mir als Visitenkarte in die virtuelle Welt des World Wide Web dient. Ich verkaufe Ebooks – Ebooks sind digitale Produkte, die sich eben als solche grundsätzlich online am besten verkaufen.
So gesehen hat sich die Arbeit an meinem Blog für mich durchaus gelohnt. Genauso wie die hunderte Kommentare und Postings, die ich im Laufe der Zeit bei Facebook und G+ hinterlassen habe.
Doch meinen Blog zu bespielen und auszubauen, ist längst nicht alles, was von mir als Ebook-Autor erwartet wird, um weiterhin erfolgreich sein zu können.  So die Musen und die launische Fortuna mit mir sind, werde ich zwar diesen Blog weiterhin mit virtuellem Leben füllen und noch stärker im Internet vernetzen. Weswegen ich hier die Prophezeiung wage, dass ich die Anzahl der Klicks auf meinen Blog innerhalb der nächsten drei Monate locker zu verdoppeln vermag.  Weiterhin recht konservativ gerechnet, werde ich Anfang Januar  des kommenden Jahres meine verschiedenen Ebook-Titel alles in allem wohl an etwa 7.000 – 8.000 Leser verkauft haben.
Dieser Zeitpunkt wird eine Zäsur darstellen. Denn – vorausgesetzt es gelingt mir tatsächlich dieses Ziel zu erreichen – wird es ab diesem Moment erforderlich sein, meine Webpräsenz um ein strategisch wichtiges Element zu ergänzen: den von Amazon unabhängigen Webshop für meine Ebook-Titel.
Da die Funktionsweise des Internets jedoch vor allem eine möglichst große Vielfalt erfordert, um darin sichtbar und damit erfolgreich zu sein, werde ich mich nicht allein auf jene Reise zum unabhängigen Webshop  begeben. Sondern versuchen  mit einigen geschätzten Kollegen und Kolleginnen strategische Allianzen einzugehen, und zusammen mit ihnen eine Art „United Artists of Authors“ ins Leben zu rufen.
Mit anderen Worten: in Zusammenarbeit mit jenen Kollegen versuchen einen Webshop zu etablieren, der möglichst verschiedene innerhalb ihrer jeweiligen Genres jedoch qualitativ hochwertigen Ebook-Titel anbieten wird. Dabei aber zugleich gut mit den verschiedenen namhaften anderen Vertriebsplattformen vernetzt sein soll.
Und wer unter der geschätzten Leserschaft sich jetzt fragt, weshalb Herr Gray und alle anderen jener Kollegen so dämlich sein sollten, ihr Geld und ihre Mühe in ein solches Gemeinschaftsprojekt zu investieren, wo doch womöglich jeder für sich mit seinen Titeln auch ein ganz hübsches Auskommen finden könnte, dem sei erneut entgegengehalten: das Internet funktioniert am besten auf einer Basis von Vielfältigkeit.
Jenes Prinzip der Vielfältigkeit auf dieses spezielle Vorhaben angewandt bedeutet: der Leser, der sich zu jenem Shop findet, um Titel von Autorin X zu erwerben, könnte dabei auf den gar nicht mal so fern liegenden Gedanken verfallen, auch Geschmack an Titeln von Autor Y zu finden. Um umgekehrt.
So dass man davon ausgehen könnte, dass sich alles in allem die verschiedenen Marketingaktivitäten sämtlicher in jenem Universum der „United Artists of Authors“ vertretenen Kollegen gegenseitig befruchten.
Zumal dieser Weg ja auch keinesfalls ausschließt das irgendeiner dieser Kollegen weiterhin im Printbereich tätig sein wird. Im Gegenteil: wird die Präsenz der Kollegen dort die Umsätze ihrer Ebooks im „United Artists“-Ebookshop zweifellos nur noch anfeuern.  
Man mag an diesem Punkt vergnüglich in sich hineinlächeln und Herrn Gray im Stillen als Träumer abtun. Und Herr Gray könnte sich noch gar nicht einmal guten Gewissens gegen solcherlei Vorwürfe verwehren, ist ihm doch selbst bewusst, wie gewagt seine Pläne scheinen mögen.  
Zumal Herr Gray sich ja zudem auch schon all die gut und weniger gut gemeinten Einwände gegen seine Ideen und Pläne vorstellen kann, die zweifellos demnächst in dieser oder jener Form hervorgebracht werden mögen. Herr Gray kann dazu nur eines bemerken: nur her damit, liebe Freunde und Kollegen!
Ich warte schon äußerst gespannt darauf.

Freitag, 30. September 2011

8 Rules for Writing by Writers - Teil 2

Ein neuer Beitrag für die „8 Tipps von Autoren an Autoren“ ist eingetroffen. Diesmal kommt er von Birgit Böckli, Verfasserin der hintergründigen Shortstory Anthologie "Und dennoch ist es Leben ...", des Horrorromans "Sonnenthal" und des Krimis "Friesensturm"



                           Birgit Böcklis neuestes Buch "Sonnenthal"

Hier ist Birgits Beitrag, ungeschnitten und im O-Ton:  

Mein Name ist Birgit Böckli, ich bin 38 Jahre alt und lebe in Baden Württemberg. Auch ich wurde von David Grey gebeten, ein paar Regeln rund um das Thema Schreiben zu verfassen, und ich mußte eine ganze Weile darüber nachdenken. Geschichten erfinde ich schon, solange ich denken kann, aber ich habe erst sehr spät angefangen, mich für Regeln zu interessieren, und ein Großteil meiner Texte entsteht nach wie vor aus dem Bauch heraus. Ich habe also versucht hier zusammenzufassen, was mir persönlich wichtig ist:

1.
Übertreibe es nicht mit den äußeren Beschreibungen deiner Figuren. Du bist nur der Regisseur; der Film, der dabei in den Köpfen entsteht, gehört allein deinen Lesern.

2.
Sei vorsichtig mit Hintergrundinformationen. Streue wichtige Details so unauffällig in die Geschichte ein, daß der Leser sie bewußt nicht wiederfindet, sollte er danach suchen. Die wichtigsten Sätze sind diejenigen, die nicht auf dem Papier stehen und dennoch ankommen.

3.
Achte auf deinen Rhythmus. Mit dem passenden Erzählton steht und fällt die Glaubwürdigkeit deiner Geschichte.

4.
Achte bei all deinen Zutaten auf Ausgewogenheit. Das richtige Adjektiv kann dem Text zu mehr Tiefe verhelfen, ein Zuviel davon verwässert ihn leicht. Auch das ein oder andere Klischee ist erlaubt und kann helfen, deine eigenen Wortschöpfungen und Sprachbilder erst so richtig zum Leuchten zu bringen.

5.
Hüte dich vor Zufällen. Laß Ereignisse und Handlungen aus einer Zwangsläufigkeit heraus geschehen, schaffe Kettenreaktionen, die den Leser überzeugen. Sonst wird er das Buch schnell mit einem Kopfschütteln zuschlagen.

6.
Viele Wege führen nach Rom. Es gibt nicht den richtigen oder falschen Weg, um ein Buch zu schreiben. Mir genügt oftmals ein Satz, eine Szene, aus der dann mehr entsteht. Andere legen sich gründliche Strukturen oder Figurenstudien an, bevor sie mit dem Schreiben beginnen. Es lohnt sich auf jeden Fall, beides auszuprobieren, den ordentlichen Weg und den chaotischen.

7.
Wachse über dich hinaus. Jeder hat selbst Charakterzüge an sich, die er gern auf seine Figuren überträgt. Das ist bis zu einem gewissen Grad in Ordnung, kann aber zum Problem werden, wenn beispielsweise der Autor ein zurückhaltender Mensch ist, dem Protagonisten etwas mehr Wagemut und Frechheit aber gut tun würden.

8.
Sei freundlich zu deinen Kritikern. Feedback ist etwas sehr Wichtiges für jeden Autoren, und auch wenn du den Beanstandungen nicht zustimmst, solltest du froh sein, daß es Menschen gibt, die sich Gedanken über deinen Text machen.

Dienstag, 27. September 2011

8 Rules for Writing by Writers - Teil 1

 

Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, der macht keine langen Sätze, plakatierte vor einigen Jahren die „Blödzeitung“ überall im Lande als Teil einer Werbekampagne. 
Man kann über Europas größte Boulevardzeitung sagen, was man will (und: ich hätte durchaus nichts bis gar nichts Gutes über sie zu sagen) doch in diesem Falle lag man in der Werbeabteilung vom Springer-Verlag völlig richtig. Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, der macht tatsächlich nicht viele Worte.

Daher habe ich einige Autoren mit folgender Bitte belästigt:

„Seit einiger Zeit bittet die britische Tageszeitung “The Guardian” in loser Abfolge bekannte Autoren darum „Zehn Regeln fürs Schreiben“ aufzustellen, die dann jeweils veröffentlicht werden.
Da ich zwar den „Guardian“ mit meinem Blog weder Konkurrenz machen könnte, noch das überhaupt wollte, aber die Idee dennoch großartig finde, hier meine Bitte an Dich:
Versuch doch einmal statt zehn Tipps / Regeln fürs Schreiben, acht Tipps / Regeln aus Deiner ganz persönlichen Erfahrung heraus zu formulieren, die ich dann in meinem Blog posten werde.“

Meine Bitte fiel keineswegs auf taube Ohren - wie ich hier schon einmal vorab verraten darf. Doch bevor man andere darum bittet aus dem "Nähkästchen" zu plaudern, sollte man schließlich selbst mit bestem Beispiel vorangehen. Daher hier zunäöchst einmal Herrn Grays "8 Rules for Writing by Writers":

Beschwer Dich nicht

Wenn Du schreiben willst und erwartest, dass man Dich eines Tages als Autoren betrachtet, beschwer Dich nicht darüber, dass Schreiben harte arbeit ist und zuweilen heftig frustrierend.

Bewahre Dir allzeit ein "Kaltes Herz"

Denn Du wirst es brauchen. Sei Dir bewusst: Du wirst Wochen, Tage, Monate, womöglich Jahre mit Deinen Figuren verbringen. Sie werden Dir dabei ans Herz wachsen. Aber dennoch wirst Du um der Spannung oder Logik Deines Plots willen, einige davon über die Klinge springen lassen müssen. 

Hör auf, wenn es am schönsten ist

Übertreib das Schreiben nicht. Beende Deine tägliche Schreibsession immer dann, wenn Du Dir sicher bist, Du weißt wo Du beim nächsten Mal anzuknüpfen hast – und mach Dir ein paar dementsprechende Notizen unter Deinen letzten Satz.

Schreiben macht dick

Schreiben ist nur ein Synonym für Geduld und Sesselpupserei- denn auf Deinem Hintern in Deinem Bürostuhl schreibst Du Dein Buch, nicht während eines Galadiners im Gespräch mit dem König von Schweden und Günther Grass. Rechne also damit, dass Du für jeden längeren Text, den Du schreibst ein paar Kilo zunehmen wirst. Die Rückenschmerzen und verkrampften Schultermuskeln sind die klassische deformation professionelle eines Schriftstellers, nicht etwa die Paparazzi unter Deinem Fenster.  

Kriminelle Energie

Jeder Autor klaut bei anderen Autoren. Zu schreiben bedeutet immer auf etwas, was andere vor Dir bereits geschrieben haben, zu reagieren. Doch vergiss nicht: Einfach nur bei anderen abzuschreiben wirft Dich für immer aus dem Rennen. Aber andere Gedanken und Ideen neu zu interpretieren ist der Weg.

Musen sind zickig – sei klüger

Musen sind zickige Frauenzimmer, also sei Dir stets klar darüber, dass es ihnen eine irre Freude macht, Dich immer dann mit großartigen Ideen zu überfallen, wenn Du gerade gar nicht damit rechnest und neue Einfälle eigentlich auch nicht brauchst, weil Dein Haus zum Beispiel gerade abbrennt oder Deine Frau Dir eine Szene macht. Daher: hab immer und überall Stift und Papier zur Hand, um die Ideen aufzuschreiben. Deine Ehe retten das kannst Du danach immer noch. Und für Dein brennendes Haus ist sowieso die Feuerwehr zuständig.

Schreib allein in einem Raum – ohne Internetverbindung

Falls Dir irgendwer erzählte, es sei schon okay auf Pornoseiten / denen Deines nächstgelegenen Porschehändlers / Gartencenters / oder Lieblingsrestaurants / zu surfen, obwohl Du Dich eigentlich an Deinen Schreibtisch gesetzt hattest, um an Deinem Roman weiterzuarbeiten – dann war das eine Lüge. Streich den Mann / die Frau / von Deiner Weihnachtskartenliste.

Hör auf Mark Twain

„Schreiben ist ganz leicht – man muss nur die falschen Worte weglassen.“ Das hat Mark Twain gesagt Und er hatte recht damit. Also sei Dir immer bewusst, dass Du kürzen und ändern und neu beginnen musst. Mach Dir nichts draus – die gute Nachricht ist: das ging auch anderen vor Dir schon so. Und wird wieder anderen nach Dir immer noch genauso gehen. Den ersten Entwurf schreibt man mit dem Herzen, den zweiten mit dem Verstand und beim dritten versucht man beides miteinander auf eine möglichst plausible Art und Weise in Einklang zu bringen. 







Donnerstag, 22. September 2011

Soundbites im Outerspace

Ich gehöre selbst zu der Handvoll Autoren, die von den derzeit aufgebrochenen Veränderungen in der Buch-/Verlagsbranche profitiert haben. Doch ist es ja so, dass sich mit Social-Media und Blogs der Arbeitsbereich von Autoren schon lange vor der Ebook Offensive entscheidend verändert hat.  In welcher Beziehung er sich verändert hat?
Wer seine eigentliche Aufgabe als Autor ernst nimmt, nämlich Unbekannten Geschichten zu erzählen, der weiß, dass er besser nicht so vermessen sein sollte, sich einzubilden, er könnte die „Realität“ in irgendeiner Weise selbst schreiben oder gar „erzeugen“, wie das ab und an von so genannten Experten für das Web 2.0  impliziert wird. Social-Media ist nicht akut oder nachhaltig genug um Realitäten zu erzeugen. Das Web erzeugt „Wellen“, „Räusche“ und Trends - wegen mir auch Skandale und Skandälchen. Vor allem aber ist es ein neutraler Resonanzboden für Ideen und persönliche Meinungen und Vorlieben. Darunter so manche, die einem vernünftigen Menschen durchaus das Gruseln lehren können. Das Web und Social-Media ist in allerletzter Konsequenz „zeitlos“, da es sich als Medium eben, bis auf wenige extreme Ausnahmen, neutral gegenüber denjenigen verhält, die in ihm agieren.  
Im Netz ist der einzige rote Fanden, den man als Autor für sich finden kann, der der eigenen ganz persönlichen Marke, eine Marke, die im Web 2.0 vor allem in Form von Soundbites an den Mann und die Frau gebracht wird. Etwas plakativer ausgedrückt: Bestimmt sich die Marke Autor XYZ im Netz durch den  Stil der Persönlichkeit des Autors und wird durch ihn viel stärker zu einem virtuellen Gesamtbild ausgeformt als das vor den Zeiten des Internets möglich war.
Jenes Gesamtbild der Marke „Autor XYZ“ besteht aus weit mehr  als nur dem Schreibstil oder dessen philosophischen / philologischen Ansichten. In Zeiten des Web 2.0 reichen gute Texte abzuliefern für einen Autoren längst nicht mehr aus, denn gut verfasste und  relevante Texte enthält das Netz schon in überwältigender Hülle und Fülle.  Wer heute jetzt und hier Erfolg als Autor haben will, der sieht sich zunehmend gezwungen weit mehr von sich preiszugeben als je zuvor. 
Denn um in Facebook, Xiing oder G+ sichtbar, das heißt   wahrnehmbar „vorhanden“ zu sein, sieht sich der Autor gezwungen Musikvideos, Grafiken, Slogans, Meinungen seiner Leser mit der Öffentlichkeit zu teilen, die insgesamt gesehen ein wesentlich komplexeres Bild seiner Persönlichkeit ergeben, als das bislang mit bloßen Presseerklärungen, Lesungsauftritten oder dem gelegentlichen Interview für Presse oder TV überhaupt möglich gewesen wäre. 


Der Autor, der in Zukunft bestehen will, wird nicht umhin kommen eine bestimmte „Marke Autor XYZ“ zu kreieren und diese Marke auf Gedeih und Verderb mit den in den Social-Media Webseiten anwesenden Usern zu teilen, das heißt diese „Marke Auto XYZ“ ihnen anzubieten. Aber er sieht sich eben genauso dazu gezwungen diese Marke in Echtzeit – das heißt laufend – weiter auszubauen und auszuschmücken, indem er Beiträge anderer User kommentiert, mit seinen ihm verbundenen Facebook oder G+ Freunden teilt, oder eben auch bestimmte von anderen Usern offerierte Inhalte  auch ab und an bewusst ignoriert. Die „Marke Autor XYZ“ will daher strategisch sehr gut durchdacht und vor allem auch langfristig angelegt sein, soll sie Erfolg zeitigen. Wer da jedem schnellen Trend gleich hinterherläuft, wird früher oder später „virtuell“ untergehen – das heißt konkret an Glaubwürdigkeit und daher „Sichtbarkeit“ unter den Usern und potenziellen Käufern seiner Produkte verlieren.
Auch eine weitere Fertigkeit verlangt die schöne neue Web 2.0 Medienwelt vom modernen Autoren: Er muss sich zwangsläufig in seinen Textformen auf die neuen Medien einstellen. Mit anderen Worten, wird er sich die literarische Gattung des Essays für seine Blogtexte genauso aneignen müssen, wie die des knappen aber provokanten „Soundbites“, mit dem er in  Chats und bei Kommentaren auf Online Publikationen punkten kann.  
Vor allem aber sollte keiner, der im heutigen Mediengeschäft sein Brot verdient, je außer acht lassen, dass in Web 2.0 und Social-Media Zeiten ein einziger dummer Ausrutscher nur noch Sekunden braucht um die Runde unter Kritikern, Beobachtern und Lesern zu machen. In Zeiten von Telefon und Postbriefen dauerte das Verbreiten eines Gerüchts, irgendeiner Anschuldigung oder negativen Bewertung wenigstens Minuten, wenn nicht Stunden. Heute ist es durch nur einen einzigen Mausklick bereits hunderten wenn nicht tausenden anderen Usern zugänglich. Usern, die diese Information ungefiltert an wieder andere User weitergeben oder gar mit eigenen Kommentaren versehen in eigenen Publikationsformen verwenden, wodurch selbst der dümmsten Behauptung ein gewisses Gewicht verliehen wird.  
Warum Herr Gray sich bemüßigt fühlte, diesen oben stehenden und für ihn ungewohnt trockenen und womöglich sogar etwas langweiligen Blogpost  zu verfassen, mag man sich unter der geneigten Leserschaft fragen.
Damit er ihn dem nächsten Deppen, der meint das Schriftstellerei im Internetzeitalter der reine Spaß sei, wenn schon nicht real, so dann immerhin virtuell in Form eines Links oder Zitats um die Ohren hauen kann.
Herr Gray dankt allen Lesern und Leserinnen für ihre Geduld und verspricht zugleich in seinem nächsten Blogpost etwas amüsanter drauf zu sein.

Dienstag, 20. September 2011

Die Substanz von Bestsellerlisten

Stellen Sie sich vor, Sie seien Geschäftsführer des Traktorenbauers XYZ. In diesem Falle stellt der Landmaschinenkonzern ABC einen Ihrer schärfsten Konkurrenten dar. 

Stellen Sie sich weiterhin vor, Ihr Marketingchef hätte eine Idee, wie er das Image Ihrer Firma noch ein wenig mehr verbessern könnte. Dies ist seine Idee: die Einführung einer deutschen Traktoren-Bestsellerliste.
Stellen Sie sich weiterhin vor, Sie seien an jenem Tag, in einer etwas abenteuerlustigen und risikobereiten Stimmung, und finden daher jene Idee grundsätzlich einmal großartig. 
Nur äußern Sie nach einem Moment der stillen Kontemplation auch einige Bedenken. 

Was nun, wenn sich nach Prüfung der deutschlandweiten Verkäufe Ihrer Traktoren herausstellt, dass ABC-Traktoren Ihre eigenen XYZ-Traktoren im Verkauf heillos überflügelt haben? 
Dann stünden Sie selbst und Ihre Marketingabteilung ganz schön blamiert da mit jener tollen Idee von der Traktoren Bestsellerliste, nicht wahr?
Doch Ihr Marketingchef, immerhin ein cleverer Mann, lächelt nur müde und versichert Ihnen glaubhaft, er hätte da so gewisse Tricks und Kniffe, die genau dieses Szenario ausschlössen. 
Neugierig geworden, schliessen Sie misstrauisch die Tür Ihres Büros und erkundigen sich nach näheren Einzelheiten.

Nun, meint Ihr Marketingchef, die Sache sei doch ganz simpel. 

Man wisse schliesslich, dass das Händlernetz des Konkurrenten ABC in Norddeutschland bedeutend dichter sei, als in  Ost- oder Süddeutschland. 

Daher werde man sich bei der Erstellung jener Traktoren-Bestsellerliste eben verstärkt auf Verkaufszahlen aus Süd- und Ostdeutschland stützen und jene aus dem Norden zaghafter bis gar nicht in die Statistiken einfließen lassen.  
Sie denken sich: Dies sei natürlich ein recht kluger Schachzug. Nur, fragen Sie sich auch: Kann dies eigentlich rechtens sein, denn letzten Endes sei diese Bestsellerliste dann ja nicht wirklich rundum aussagekräftig. 

Und so recht nützlich für Ihr eigenes Unternehmen XYZ-Traktoren könnte diese Liste ja auch nur dann sein, wenn sie als offizielle Bestsellerliste im Traktorenverkauf gelten könne. 

Einfach so irgendwelche statistischen Erhebungen anzustellen und anschließend zu veröffentlichen, das könne schließlich jeder, aber so recht aussagekräftig seien die dann ja nicht.

Ihr Marketingchef kann Ihre zaghaft geäußerten Bedenken jedoch mühelos zerstreuen. 

Er argumentiert: Jene Traktoren-Bestsellerliste könnte durchaus guten Gewissens als „offizielle“ Traktoren Bestsellerliste in den entsprechenden Fachpublikationen bezeichnet werden. Schließlich könnte ihr dieses Attribut die „offizielle“ Bestsellerliste darzustellen, als erste und einzige ihrer Art kein Mensch wirklich absprechen.

Wieder lassen Sie sich die Argumentation Ihrer Marketingchefs einige Augenblicke durch den Kopf gehen und beschließen dann, dem Mann Ihr Okay für seine Idee zu erteilen. 
Einige Wochen später erkennen Sie an dem Wirbel den jene 1. offizielle Traktoren-Bestsellerliste für Deutschland in der Fachpresse und in den Chefetagen der Konkurrenz ausgelöst hat, wie brillant die Idee Ihres Marketinggenies eigentlich wirklich gewesen war. 
Sie lassen dem Mann ein nagelneues Set Golfschläger zukommen und weisen ihm noch dazu eine hübsche Sonderprämie an. 

Und freuen sich insgeheim schon diebisch auf die säuerliche Mine des Geschäftsführers von ABC Traktoren, während der nächsten Jahrestagung des deutschen Traktorenherstellerverbandes.

Man fragt sich unter der geneigten Leserschaft des Herrn Gray womöglich, was die oben stehende Ausführung zu Traktoren und Bestsellerlisten auf Herrn Grays Blog zu suchen hat, da der ja eher gar nichts mit Traktoren am Hut hat, sondern Autor von Ebooks ist.

Die Auflösung jenes Rätsels ist simpel: Vor einigen Wochen veröffentlichte man bei Börsenblatt-Online eine 1. „offizielle“ Ebook Belletristikbestsellerliste für den deutschsprachigen Raum.

Das allein wäre Herrn Gray ja auch gar kein Blogpost wert gewesen. Nur scheint es so, dass man bei Erstellung jener Ebook Belletristik Bestsellerliste zumindest Amazon.de als derzeit marktbeherrschenden Anbieter gar nicht erst berücksichtigt hat. Denn hätte man dies getan, sähe jene Bestsellerliste etwas anders aus. 
Doch wie schon in einem vorangegangenen Blogpost vermerkt, ist eben das Medium nicht nur die Message, sondern dient zuweilen vordringlich als Werkzeug zur  Massage der öffentlichen Meinung. Ich denke im Fall jener seltsam „hinkenden“ 1. offiziellen deutschen Ebook Belletristik Bestsellerliste trifft dies zu.

Von daher bleibt auch hier wieder nur zu konstatieren, dass eben das einzig wahre wirkliche Leben, immer wieder durchaus Unterschiede zum schönen neuen „virtuellen“ aufweist. 

Eine andere große deutsche Fachzeitung hat diese simple Erkenntnis übrigens schon vor Jahren zum Inhalt eines ziemlich witzigen Werbespots gemacht.  



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Mittwoch, 24. August 2011

"ePubber"

Seit Amazon im April 2011 seine Kindle Offensive in Deutschland startete, und es dadurch auch unabhängigen Autoren wesentlich leichter machte ihre Werke als Ebooks auf Amazon zum Kauf anzubieten, wurden Indie Autoren und deren Arbeiten zu einem zunehmend beliebteren Thema in der Blogosphäre.
Dank eines Eintrags auf Evi T's  Indiebookblog wurde Herr Gray auf einen Blogpost von Maximilian Buckstern aufmerksam, im wahren Leben Verlagsangestellter und wie Herr Gray auch als Selbstveröffentlicher von Ebooks unterwegs.
Herr Buckstern stellte in diesem Blogpost einige Thesen zur Diskussion, die durchaus einen gewissen Widerhall unter Kollegen und Medienexperten fanden. Herr Buckstern war bei weitem nicht der erste und einzige, der solche Thesen verbreitete und wird sicherlich auch längst nicht der letzte sein, der sie vertritt.
Dennoch will ich mich hier vor allem auf Max Bucksterns Blogpost beziehen, da er griffig formuliert ist und womöglich sogar exemplarisch ist für die Auffassungen und  Verunsicherungen einiger Kollegen in Bezug auf den Ebook-Markt und die zukünftige Entwicklung in der Verlagswelt.
Max beginnt seinen Blogpost gleich mit einem kleinen „Paukenschlag“ indem er feststellt, dass sich seiner Auffassung nach unter den Selbstpublizierern jede Menge eher halb professionelle Hobbyschriftsteller tummeln, die er leicht abwertend ganz gern als „ePubber“ bezeichnet haben will.  
Gleich darauf behauptet er zudem, dass Selbstpublizierer im deutschen Ebook-Markt meist schon aufgrund ihrer schlechten Covergestaltung herausstechen und so überdeutlich zwischen den Titeln der großen Verlage auszumachen seien.
Ich sage: Da ist zuweilen durchaus etwas dran.
Auch ich kann in vielen Fällen nicht nachvollziehen, weshalb manch ein Kollege, der womöglich Monate oder gar Jahre an einem Text gearbeitet hat, der Meinung zu sein scheint ausgerechnet am Buchcover sparen zu müssen, das doch noch vor dem eigentlichen Text, das erste Element seines Ebooks darstellt, mit dem der potenzielle Leser konfrontiert wird.
Es gibt aber genügend Fotografen, Kunststudenten und sogar professionelle Designer, die sich bestimmt nicht über einen Auftrag zur Covergestaltung eines Ebooks ärgern würden. Ich selbst habe mir für meine eigenen Ebook-Cover auch professionellen Beistand geholt und könnte nicht sagen, dass ich diese Entscheidung zu bereuen gehabt hätte. Im Gegenteil.
Kann ich aber in irgendeiner Weise etwas daran finden, dass sich unter den Selbstpublizierern auf Amazon und anderswo vermeintlich eine ganze Menge Semi- Profis befinden?
Ganz bestimmt nicht.
Woher auch?
Max ist eigener Aussage zufolge immerhin selbst ein solcher, da er sich ja ganz offen dazu bekennt, dass er sich als hauptberuflicher Verlagsangestellter zu “Testzwecken“ auch mit eigenen Titeln in der schönen neuen Ebook-Welt tummele. Und auch Paul Auster, Ernest Hemingway und sogar Dan Brown, John Grisham und J. K. Rowling hatten ganz gewöhnliche Jobs, bevor sie das Schreiben zu einer Vollzeitbeschäftigung machten. Waren sie bis zu dem Tag, als sie im Print erschienen daher nur Semi-Profis, Hobby Schreiber gar? Vielleicht. Aber: wen sollte das davon abhalten ihre Bücher zu lesen?  
Doch so richtig in die Vollen geht Max, indem er behauptet, dass es an der Zeit sei die Euphorie im Zusammenhang mit dem Selbstpublizieren auf Amazon und ähnlichen Plattformen zu relativieren, da der Digitalbuchmarkt in Deutschland noch viel zu klein sei, um offenbar mehr als nur einige wenige Cents mit seinem Ebook zu machen. Max geht sogar soweit zu behaupten, dass nur „ein paar“ verkaufte Exemplare bei Amazon ausreichten, um es zu einem guten „Sales Ranking“ zu bringen. 
Leider kann ich von hier aus nicht exakt genug bestimmen, was genau Max unter „ein paar verkauften Exemplaren“ versteht. In den umsatzstärksten Belletristikgenres Krimi und Historischer Roman, aber auch im Erotikgenre, genügen  nur "ein paar"  verkaufte Ebook-Exemplare jedenfalls nicht um es  zu einem beachtlichen Listenplatz innerhalb von Amazons Rankinglisten zu bringen.
Max hätte diese Tatsache exakter recherchieren können. Allein schon eine Mail mit einer dementsprechenden Anfrage an irgendeinen der verschiedenen Indie-Autoren, die sich einen Platz in den Top Twenty bei Amazon erobert haben, hätte ihn vor diesem Irrtum bewahren können.
Wenn Max dann weiterhin behauptet, dass solche vermeintlich geringen Verkaufszahlen, nicht dazu angetan sein können, den Geldbeutel des jeweiligen Selbstpublizierers zu füllen, entspricht auch das nicht ganz den Tatsachen. Was schon ein Blick auf die Bedingungen von Amazons 70% Sales Programm beweist, welches es dem selbstpublizierenden Autor nämlich erlaubt, auch bei relativ niedrigen Ebookpreisen, angemessene Überschüsse einzufahren.
Auch diese Tatsache hätte Max sicher ebenso mühelos zu recherchieren vermocht, wie die wahre Zahl der zu verkaufenden Exemplare, die notwendig sind, um es zu einem beachtlichen Listenplatz auf Amazons Ebook-Rangliste zu bringen.
Aber selbst diese beiden Thesen kann Max im weiteren Verlauf seines Blogposts recht locker übertrumpfen.
Er behauptet nämlich, und ich zitiere: „… Freizeit-Schriftsteller, die jetzt ausschließlich auf ePubbing (und einen Händler wie Amazon) setzten, machen aus meiner Sicht große Gedankenfehler. Wer gute Inhalte produziert, sollte alle Veröffentlichungswege in Betracht ziehen und versuchen zu nutzen. Das überfordert ePubber ganz erheblich! Auch die Qualität bleibt auf der Strecke. Ärgerlich wäre es zudem wenn ePubber (vielleicht aus Enttäuschung über Ablehnungen) jetzt Front gegen die Verlage machen. So werden Chancen verschenkt die Leser zu erreichen.“
Dazu ist zu sagen: Als ich das letzte Mal meinen Literaturagenten zu sprechen versuchte, liess der sich nicht etwa verleugnen, sondern nahm auch tatsächlich den Hörer ab, um sich mit mir - dem Selbstpublizierer - auf einen Schwatz über den Verkauf von Print-Rechten bestimmter Texte aus meiner Feder einzulassen. Und ich kann hier auch beim besten Willen nicht behaupten, dass ich mich als durchschnittlich gebildeter Mitteleuropäer in irgendeiner Weise davon überfordert gefühlt hätte, jenes Telefonat in Angriff genommen und dann auch zielstrebig zu Ende geführt zu haben.
Mein Buch „Wolfswechsel“ ist sowohl auf Amazon als auch Beam zu haben, und wäre zudem auch im iTunes Store verfügbar, könnte Smashwords mir garantieren, dass es dort zum gleichen Preis gelistet wird, wie bei Amazon.
Überfordert von der vermeintlich so unübersichtlichen Welt der verschiedenen Veröffentlichungswege?
Bislang eher nicht. 
Zumal man nicht vergessen darf, dass Amazon allein um die 60 Prozent des Ebook-Marktes in Deutschland abdeckt und daher durchaus der Vertriebspartner ist, auf den man zu setzen hat, will man es im Geschäft mit Ebooks derzeit zu etwas bringen.
Um seinen Blogpost, den er ja mit einen gelinden „Knalleffekt“ begann auch mit einem solchen ausklingen zu lassen, behauptet Max zum Ende noch, und ich zitiere erneut: „Autoren, die bereits gute Inhalte produziert haben, sollten unbedingt alle Veröffentlichungswege in Betracht ziehen und nutzen. Falls der "eigene" Verlag bei eBook-Veröffentlichungen nicht mitzieht oder wenn die Honorare nicht stimmen, empfehle ich einen Verlagswechsel. Besser ein anderer Verlag als kein Verlag!.“
Diese Empfehlung in allen Ehren, doch kann zumindest Herr Gray eben noch einen weiteren Weg für alle Kollegen empfehlen, die sich womöglich enttäuscht über ihren Verlag zeigen mögen: Selbstpublizieren als Indie Ebook-Autor.
Auch da gibt es, wie allgemein im Verlagsgeschäft, keine Erfolgsgarantien. Aber, wie die Erfolge von Andreas Stetter, Emily Bold, Rainer Innreiter und einem halben Dutzend weiterer Kollegen beweisen, ist es als Selbstpublizierer auch nicht absolut unmöglich sich durchzusetzen und dabei zu einigen wohl verdienten Euros zu kommen.
Zumal ich hier ein weiteres Argument zu bedenken geben will. Es stammt von dem Medienprofi Holger Ehling und ich zitiere auch hier wieder wörtlich: „Es wird für Selbstverleger weiterhin schwierig bleiben ihre Bücher im stationären Buchhandel anbieten zu können. Diesen Nachteil kann allerdings das Netz mit seinen Verkaufsplattformen mittelfristig durchaus wettmachen. Und: Im Netz konkurriert Tante Berta mit ihrem Ratgeber "Richtig stricken" hierarchisch ebenbürtig mit dem Ratgeber zum gleichen Thema aus Verlag xyz. Falls der Verlag seine Qualitätssicherungsfunktion nicht eindeutig unter Beweis stellen kann, gibt es für den Kunden keinen Grund, nicht zum Ratgeber von Tante Berta zu greifen.
Ein letztes Argument: Ich räume gerne ein, dass derzeit die Verkaufszahlen für deutschsprachige Ebooks keinen Anlass dazu geben die Verlage zum Auslaufmodell zu erklären. Aber für Autoren wie mich, die vom Schreiben leben, ordentliches Handwerk liefern und von den Verlagen dafür immer unordentlicher honoriert werden, möchte das Liebäugeln mit dem Selbermachen doch gestattet sein.“
Holgers Ausführungen sprechen, denke ich, für sich.
Nur eines möchte ich hier noch kurz erwähnt wissen:
Maximilian Buckstern hat in seiner Eigenschaft als Selbstpublizierer bei epubli – einer BoD Tochter der Holtzbrinck Gruppe – ein Buch mit dem Titel „Bücher gratis für iPhone, Kindle und Co“ veröffentlicht.
Laut der kurzen Inhaltsangabe zu diesem Titel, die man dazu mühelos im Internet findet, nennt sich das letzte Kapitel darin: „eBooks selbst ohne Verlag veröffentlichen
Ob Max darin wohl seine Erfahrungen als „ePubber“ verwertet hat?
Wer weiß, liebe Leser.