Freitag, 13. Juli 2012

Leander Wattig - der Blogger


Leander Wattig ist Blogger. Zudem unterstützt er Medienunternehmen und Kreativschaffende als freier Berater, hält Vorträge, nimmt Lehraufträge wahr und engagiert sich als Vorstandsmitglied der Theodor Fontane Gesellschaft.

Hallo Leander, danke dass Du Dir die Zeit nimmst, hier ein paar Fragen zu beantworten. Du bist ein profilierter Blogger, hast die sehr erfolgreiche Initiative „Ich mach was mit Büchern“ ins Leben gerufen und bist als Strategieberater in der Buchbranche gefragt.

Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen Blogs?

Natürlich gibt es allgemein wichtige Punkte wie die Relevanz der Inhalte, eine hohe Posting-Frequenz und die Interaktion mit den Lesern. Im Idealfall wird der Blog zu einer Plattform für ein viele Menschen verbindendes Thema, sodass eine richtige Gemeinschaft entsteht. Ich persönlich habe mich von Anfang an bemüht, auch immer Inhalte mit klarem Nutzwert zu liefern – Stichwort Fakten, Fakten, Fakten. Zudem habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, so wie ich es auch bei meiner Buchbranchen-Vernetzungs-Initiative "Ich mach was mit Büchern" tue.

Wie siehst Du das Phänomen der Indie-Autoren, bzw. des Selfpublishing? Bringt das langfristig eher Vorteile für den Buchmarkt? Es existieren ja Bedenken, dass der Erfolg von Ebooks über kurz oder lang zur Bedrohung nicht nur für die großen Ketten wie Thalia und Hugendubel, sondern auch für den Tante Emma Buchladen um die Ecke werden könnte.

Ich störe mich etwas an dem Begriff "Self-Publishing". Früher war es vielleicht etwas Ungewöhnliches und tendenziell Minderwertiges, wenn jemand im Selbstverlag publizierte, weil das Publizieren im Normalfall über Verlage lief. Heute aber sind wir doch alle, auch in den Verlagen, Self-Publisher und schreiben in irgendeiner Form ins Internet – und sei es über Statusmitteilungen bei Xing oder Facebook. Die Übergänge hin zum klassischen Buch sind sehr fließend geworden. Der Begriff "Self-Publishing" unterstützt daher aus meiner Sicht ein Stück weit das Schubladen-Denken, welches wir ja oft beklagen. Um auf die Frage zurück zu kommen: Ich persönlich finde das ganze Feld super, weil dank der neuen Technik heute jeder die Chance hat, sich öffentlich auszudrücken und sich mit seiner Botschaft Gehör zu verschaffen. Das ist so eine tolle Errungenschaft, dass ich mich oft ärgere, wenn dies in den Alltagsdiskussionen rund um Geschäftsmodelle und Qualitätsinhalte völlig untergeht. Es ist erstmal nämlich gar nicht entscheidend, ob diese Entwicklung gut für den Buchmarkt ist oder nicht. Sie ist gut für unsere Gesellschaft und das zählt. Aufgabe der Akteure des Buchmarktes ist es nun, Wege zu finden, wie man mit den neuen technischen Gegebenheiten bestmöglich umgehen kann.



 Leander Wattig, Blogger, Berater und Internetmedienexperte


Wo liegen Deiner Beobachtung zufolge, die typischen Fehler, die Indie Autoren bei ihren Veröffentlichungen begehen?

Meinem Eindruck nach könnten viele Autoren noch gezielter eine „Gefolgschaft“ bzw. eine Fanbasis auf- und ausbauen. Das Internet bringt ja die große Chance des direkten Leserkontaktes mit sich. Je direkter und nachhaltiger ich Beziehungen zu meinen Lesern pflege, desto unabhängiger bin ich vom Zufallserfolg einer einzelnen Buch-Veröffentlichung. Wie das gelingen kann, gehört zum neuen Themen-Schwerpunkt meines Blogs leanderwattig.de.

Hast Du einen heißen Marketingtipp für Indie-Autoren?

Viele Autoren engagieren sich sehr stark bei Facebook & Co., vernachlässigen für meinen Geschmack aber etwas ihre eigenen Websites. Das geht schon damit los, dass viele Autoren Blogs bei Blogger betreiben und dort die Webadresse “XYZ.blogspot.com“ nutzen. Das bedeutet aber, dass jeder generierte Link auf eine Google-Domain führt, was hochbedauerlich ist, da Links die harte Währung im Web sind. Zudem würde ich mich fragen, wie man die Erfolgsfaktoren der Social-Media-Plattformen wie Facebook auf die eigene Website übertragen kann, um die Leute möglichst dorthin zu locken. Denn nur auf der eigenen Website bestimme ich als Autor die Regeln, die Präsentation und kann alles auf den Buchverkauf hin optimieren. – Wichtig ist natürlich nach wie vor auch das Thema Social Media Marketing und da speziell der Erfahrungsaustausch unter den Autoren. Niemand hat eine Glaskugel oder die Weisheit mit Löffeln gefressen, weshalb es am besten ist, sich untereinander darüber auszutauschen, was funktioniert und was nicht. Speziell dafür betreiben wir den Virenschleuder-Preis und wir freuen uns sehr über Nominierungen von Autoren.

Wo siehst Du den deutschen Buchmarkt in zwei Jahren? Werden Indie-Autoren darin wirklich eine ständig größer werdende Rolle spielen? Immerhin bietet Amazon mit seinem Create Sprace Programm ja mittlerweile auch für Indie-Autoren die Möglichkeit ihre Titel in Taschenbuchform an den Leser zu bringen?

Heute geht noch das Meiste vom Print-Buch und der klassischen Verlags-Publikation aus. Self-Publishing erscheint bisher als ein Sonderweg. Künftig wird aber das Self-Publishing zunehmend der Standard sein und die Bücher, welche sich dort hervorgetan haben, werden von Verlagen und anderen Dienstleistern zusätzlich gepusht werden. Entscheidend wird die Autoren-Marke sein, um sich im Meer der Veröffentlichungen sichtbar zu machen.

Welche Frage wolltest Du schon immer einmal von einem Journalisten gestellt bekommen und weshalb gerade diese?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Ich finde aber sehr gelungen, wie es „Nardwuar the Human Serviette“ macht, der für mich der Großmeister des Künstler-Interviews ist. Er fragt immer, ob es noch irgendwas gibt, was die Welt da draußen wissen sollte. So gefragt würde ich darauf hinweisen, dass wir am 30.07. bei unserem Publishing-Stammtisch Pub ’n’ Pub Frankfurt zusammen mit Cora Stephan passenderweise diskutieren, was Autoren suchen/erwarten und was Verlage leisten (können). Da wird es also um ganz viele Themen gehen, die ich hier angerissen habe. Wir sind eine offene Runde und alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Infos dazu gibt es hier.




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