Freitag, 18. Mai 2012

Heilige Huren


Meine Kollegin Birgit hat ein Interview mit mir für ihren Blog gemacht. Ich will es natürlich keinem vorenthalten, der es lieber auf meinem Blog lesen mag.

War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

„Ich hab spät lesen gelernt, aber danach war ich angefixt und bin es bis heute geblieben. Ich hab alles gelesen, was ich in die Finger bekam. Auch jede Menge Mist, da ich in der DDR geboren wurde, auch all dieser sozialistischer Realismus in postfaschistischer Heldenpose.
Irgendwann begannen sich in meinem Kopf  neue Geschichten zu formen. Geschichten, die ich für besser hielt, als das, was  ich da gerade las.
Das war eine Art Automatismus für den ich nichts konnte, aber für den ich mittlerweile durchaus dankbar bin.“

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, dass dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

„Bis in die Träume kommt vor. Selten zwar, aber es geschieht. Ich habe allerdings keine Alpträume von meinen Geschichten. Ich bin mir des Unterschieds zwischen Realität und Fiktion bewusst. Ich weiß zu gut, dass die Realität viel komplexer und furchtbarer sein kann, als jede Fiktion. Wer Realität und Fiktion zu sehr mischt, der kann meiner Meinung nach auch keine gute Fiktion erfinden – Stichwort: Nabelschau. Ich kann das nicht leiden. Zu viele – auch sehr gute Kollegen – tun das immer noch und halten es für den Heiligen Gral des Schreibens. Dabei ist es in vielen Fällen die pure Feigheit etwas anzupacken, von dem sie wissen, dass sie sich dafür aus ihrer langweiligen Literatenstube in die Welt hinaus begeben müssten. In die Welt hinaus zu gehen ist ja auch nicht immer nur witzig. Aber für die Produktion von ausdrucksstarker Literatur meiner Meinung nach nun mal unerlässlich. Man muss ja keinen Mord begehen um über einen Mord glaubhaft schreiben zu können. Aber schon mal mit einem oder zwei Mördern gesprochen zu haben, hilft dabei dennoch ungemein.“

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

„Ich habe Sachbücher geschrieben, Reportagen und Film –und Kunstkritiken. Mein bevorzugtes Genre ist der Spannungsroman. Der kann – aber muss nicht – deckungsgleich mit Thrillern oder Krimis sein, zuweilen sogar ins Horrorgenre tendieren, aber ich will mich ungern auf eine dieser Schublädchen festlegen lassen. Vielleicht ist es aber auch nur die pure Eitelkeit. Immerhin ist Dostojewskis „Schuld und Sühne“ am Ende auch nur ein Spannungsroman der Subkategorie Krimi. Allerdings, und das muss gesagt werden, ist er ein verdammt guter. „

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

„Ich habe als Teil einer größeren Gruppe von Musikern und Artisten vor vielen Jahren angefangen Lesungen zu veranstalten. Immer dieselbe Geschichte, ab und zu mal garniert mit einigen Gedichten meines Freundes Yves Morr. Das war kein ausgesprochener Erfolg. Das Lampenfieber fand ich fast so grausam wie die gelangweilten Blicke aus dem Publikum.
Später habe ich dann immer mal wieder im kleineren Kreis gelesen, meist Anekdoten oder Aphorismen, ab und an auch mal eine kürzere Story.
Dabei habe ich gelernt, dass bei Lesungen auf eine charakterliche Eigenheit definitiv ankommt: die Fähigkeit zur Selbstironie.
Wer sich und seine Texte bei Lesungen zu ernst nimmt, den straft das Publikum gnadenlos ab. Und wie ich mittlerweile meine, auch zu recht.
Ich werde zusammen mit Freunden im Sommer diesen Jahres eine Reihe von Lesungen veranstalten, die von Musik begleitet werden, und außerdem ein Kakerlakenrennen beinhalten, bei dem gewettet werden darf. „

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

„Ich betreibe die Schriftstellerei wie ein guter Koch einen Eintopf angeht: ich suche mir allerlei Elemente aus Literatur, Philosophie und Geschichtsschreibung zusammen, schäle sie, putze sie, schneide oder quetsche sie und werfe sie zuletzt gemeinsam in einen Topf mit ein wenig heißer Eigener-Erfahrungs-Brühe. Manchmal funktioniert das erstaunlich gut. Manchmal geht’s heillos schief, wie die ungefähr sieben oder acht unbeendeten Romane und Novellen irgendwo in den dunklen Tiefen meines Computerspeichers eindrucksvoll beweisen“

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

„Ich habe zunehmend größeren Respekt vor dem Anfang einer neuen Arbeit, und brauche auch etwas länger als zu Beginn meiner „Karriere“ die passende Stimme für die jeweilige Geschichte zu finden. Ist mir dies allerdings erst einmal gelungen, schreibe ich wann immer es möglich ist – zur Not auch auf dem Klo oder in einer überfüllten Straßenbahn. Ich habe auch auf dem Dach eines fahrenden Busses irgendwo im Himalaya schon auf einem Stück Klopapier die Grundzüge einer Novelle skizziert, während eine  mitreisende Ziege fröhlich an meinen Haaren herumknabberte.“

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

„Ich kann mit Deadlines relativ gut umgehen, das rührt aus meinem Job als Journalist her. Die Erwartungshaltung der Leser ist mir egal. Ich kenne die ja gar nicht. Wem einer meiner Texte gefiel, dem muss ja nur deswegen anderes von mir nicht zugleich auch zusagen. Die Leser – das ist eine unbestimmte und vor allem unbestimmbare Größe. Ich glaube, ihnen ist am besten gedient, indem man sie bei der Entwicklung einer neuen Arbeit völlig außen vor lässt. Die werden erst wieder interessant, sobald die Arbeit ihren Weg hinaus in die Welkt antritt. Dann allerdings sind sie das Maß aller Dinge. Schon deswegen, weil sie es sind die am Ende für meine Arbeit ihre Daumen eher senken, oder heben. Literatur ist zu einem gewissen Teil ja immer auch Showbiz. Daran ist nicht zu rütteln. Wer es dennoch versucht – wird nicht lange Spaß haben im Literaturbetrieb.“

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

„Natürlich sehe ich darin auch Nachteile. David Gray ist ein Pseudonym. Ich führe ein Leben neben der Schreiberei. Dieses Leben ist mir sehr kostbar.  Daher ist David Gray von Beginn an als Kunstfigur angelegt worden. Er mag ja so einiges von mir selbst haben, aber ich – das ist schon ein anderer als dieser Herr Gray mit seiner großen Klappe und dem Hang zur Rechthaberei. Ich denke auch, dass diese Art der literarischen Kunstfigur vom Publikum wesentlich problemloser akzeptiert wird, als von so manchem Kollegen. “

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

„Talent, Furchtlosigkeit und jede Menge kriminelle Energie“



 Der kürzlich verstorbene Steve Jobs, zitiert mit einem bonmot das für alle Künstler gelten sollte.
"Never stop exporing, people" 

 
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

„Dass die Dichter etwas Besonderes sind ist ja ein Denkkonzept, dem erst die Romantik neues Leben einhauchte, nachdem es ziemlich lange relativ brach gelegen hatte. Mal abgesehen von jener Ansehensspitze die Autoren und Dichter für kurze Zeit während der  Renaissance genossen haben.
Wir leben derzeit in einem Romantik-Revival. Da passt auch das Klischee vom Genie und dem Wahnsinn wieder ganz gut ins Bild.   Ich persönlich glaube, dass sich unter Autoren ebenso viele Korinthenkackerische Langweiler finden lassen, wie ausgeflippte Egomanen, friedliche Schizophrene oder psychopathische Irre. Aber das gilt für Tischler, Taxifahrer oder Bankangestellte genauso.
Was Hirnstudien angeht, so will ich hier einen guten Freund von mir zitieren, seines Zeichens Neurologe und Wissenschaftler: „Selbst sämtliche derzeit verfügbaren Rechner zusammengeschaltet ergäben immer noch weniger Rechenleistung, als Du in etwa dafür brauchst Deinem Finger zu befehlen Deinen Stift zu ergreifen und Deinen Namen unter irgendein Dokument zu setzen. „
Anders ausgedrückt, ich halte die meisten dieser so genannten Studien für ausgemachten Blödsinn und gebe daher nichts darauf.“

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

„Ein guter Verlag sollte sein wie eine heilige Hure. Sie soll beim kopulieren – das heißt – dem Entstehen der Texte mit ganzem Herzen, kreativ, scham- und hemmungslos dabei sein. Beim Lektorat jedoch die selbstbewusste Pedantin herauskehren, um sich dann bei der Vermarktung der Texte für keinerlei Schweinerei zu schade zu sein.“

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

„Im Idealfall wird der Markt wesentlich bunter und vielfältiger sein, als jetzt. Damit auch unübersichtlicher. Der Markt für Autoren wird allerdings deutlich wachsen. Immer mehr technische Möglichkeiten wollen von uns erobert und besetzt werden. Die Menschen waren noch nie so hungrig nach Geschichten, wie gerade jetzt. Ein Trend, der übrigens anhalten wird. Nur ist es ihnen inzwischen zunehmend gleich in welcher Form man ihnen Geschichten serviert, ob als klassischen Roman, als Computerspiel, Film, Videoclip oder Theaterstück. (Das Theater als literarische Ausdrucksform und Unterhaltungsmedium steht gerade vor einem grandiosen Comeback, da es Spektakel zum anfassen bietet, das deutlich direkter und vielfältiger daherkommt als Computerspiele, Filme oder Bücher)
Diese dystopischen Unkenrufe von einer demnächst austrocknenden Literaturlandschaft, halte ich für dummdreiste Panikmache.
Literatur – Sprache und Geschichten – sind nichts, was sich für lange in irgendwelche Kästchen sperren ließe. Weder Ideologen noch Monopole haben im Verlauf der Geschichte je für länger vermocht die Vielfalt von Literatur einzudämmen oder gar zu beherrschen.
Als Hitler im Siegestaumel durch Paris fuhr, lasen seine Soldaten trotzdem überall Ernst Jüngers „Marmorklippen“ und die meisten von ihnen wussten sehr genau weshalb.
Auf dem Höhepunkt von Stalins Personenkult, fertigten abertausende Menschen überall im Ostblock Abschriften von Orwells „Animal Farm“ an. Manche lernten den Text des Buches sogar auswendig, um ihn in heimlichen Zusammenkünften in verrauchten Hinterzimmern oder feuchten Wohnküchen zu rezitieren.

Das Mörderspiel




Reden wir über Mord. Und tun wir es mit einem der ganz besonderen Säulenheiligen der Literatur, von dem der bemerkenswerte Satz überliefert ist: „Wir haben lange genug aus Not gemordet, tun wir es jetzt mit Überzeugung und Geschmack“
Weshalb wir hier über Mord reden sollten und dann auch noch im Sinne des berüchtigten Marquis de Sade, denn von keinem anderen stammt der oben zitierte Satz?
Weil Mord derzeit in aller Munde ist. Außerdem Geschmack und Not.
Vermeintlicher Mord nämlich an uns Autoren und unserem Einkommen, vermeintlicher Mord auch an der Kultur und dem literarischen und künstlerischem Niveau ganz allgemein.
Gemeint ist die aktuell in den Medien und dem Internet stattfindende Urheberrechtsdebatte. Die sich in den letzten Tagen und Wochen durch zahlreiche Artikel, Petitionen und Aktionen zu einer Art von perpetuum mobile verwandelt hat. Die dabei erreichten Geschwindigkeiten sind erstaunlich  und es darf durchaus befürchtet werden, dass den sich dabei entwickelnden Fliehkräften mehr an kulturellem Porzellan zum Opfer fallen könnte als gesund sein kann.
Einen neuen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung mit einer Plakataktion des „Syndikats“, der Vereinigung der deutschsprachigen Krimiautoren. Ganz dem Genre verhaftet wurde bei den Plakatmotiven weder an geschminkten Leichen noch Kunstblut gespart. So splattermäßig gerieten die Motive - ich wundere mich, dass bisher noch kein Jugendschützer auf den Plan trat, um deren Verbreitung an Orten zu unterbinden, die von Minderjährigen frequentiert werden.
Das Syndikat ließ sich also nicht lumpen. Und wie es sich für eine richtige Krimistory gehört, hat man nicht nur reichlich Kunstblut vergossen, sondern auch einen fiesen Killer ausgemacht und abgebildet, der fröhlich grinsend im Angesicht von Leichenhaufen seine Opferausbeute herzeigt. Bei den Leichen, die von dem plakatierten Killer abgeschlachtet worden waren handelt es sich um deutsche Krimiautoren.  Und was den Killer - neben seiner Opferausbeute - eindeutig als Übeltäter erkennbar macht ist die Maske, die er trägt. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen über den Kopf gestülptem Strumpf, sondern um eine Guy Fawkes Maske, dem Symbol der weltweit tätigen Internetaktivistengruppe „Anonymous“.  
Reden wir über Mord. Und tun wir es im Sinne des göttlichen Marquis „ mit Überzeugung und Geschmack“
An Überzeugung ist genug in die Plakatmotive geflossen. Was die Note für Geschmack angeht hat das „Syndikat“ mit seinen Bildmotiven eine Fahrkarte geschossen.



 Plakatmotiv des "Syndikat"


Von Napoleons Außenminister Talleyrand, einem nicht minder berühmten Zeitgenossen des Marquis de Sade, ist im Zusammenhang mit einem gar nicht mal virtuellem, sondern sehr realen Mord das Bonmot überliefert „ Das war mehr als ein Verbrechen, das war ein Fehler.“
Es war nicht nur übertrieben und instinktlos von den Verantwortlichem im „Syndikat“ dem Killer auf ihren Plakaten eine Guy Fawkes Maske überzustülpen. Es war tatsächlich auch ein Fehler. Allerdings einer, der tief blicken lässt. Was da zu sehen ist? Eine erstaunliche Naivität und Unwissenheit über die Formen und Etiketten der Auseinandersetzung in Zeiten des von Social Media geprägten Internets.
Schon als vor Wochen die ersten Bilder zum Making Of der Plakataktion auf bestimmten Foren auftauchten und man auch noch ein Youtube - Video dazu postete, war mir klar dass dies nicht gut gehen kann. Ja, Plakate sind ein im wortwörtlichen Sinne plakativer Imageträger. Aber für jeden mit nur ein wenig Interneterfahrung war abzusehen, dass es daraufhin zu einer Gegenreaktion von Seiten irgendwelcher Netzaktivisten kommen musste. Es fällt mir immer noch schwer zu glauben, dass man diese einfache Rechnung im „Syndikat“ nicht aufgemacht haben soll, bevor man mit der Aktion an die Öffentlichkeit ging. Jeder Krimi braucht einen Übeltäter – doch gerade Krimiautoren hätten wissen sollen, dass es  schwierig wird, sobald der sich in einem bloßen Pappkameraden erschöpft. Und der Plakat-Killer mit seiner Guy Fawkes Maske ist genau das.
Ich kann die Ängste der Kollegen, die für die Aktion buchstäblich ihr (Kunst-) Herzblut hergaben, in großen Teilen gut nachvollziehen. Ich bin selbst Krimiautor. Und ich bin wie sie für eine ausgewogene und faire Anpassung des Urheberrechts an die Erfordernisse des Internet.  Aber man darf das Medium Internet und dessen Nutzer eben auch nicht vor lauter Unsicherheiten und Beklemmungen einfach so über einen Kamm scheren oder gar in Form eines Pappkameraden dämonisieren. 
Wir alle sind Teil der Internet-Revolution. Ob es uns gefällt oder nicht. Diese Revolution verändert die Art wie wir kommunizieren und die Art wie wir konsumieren.  Sie wird Gewinner hervorbringen und Verlierer. Auch wenn die bislang noch nicht endgültig auszumachen sind, steht fest, zu den Verlierern zählen diejenigen, die sich nicht anzupassen vermögen. Aber wirklich einfach nur hilflos ausgeliefert ist dieser Revolution keiner. Denn das ist das Besondere an ihr: sie belohnt langfristig Kreativität, Witz und Mut. Bestrafen wird sie allerdings all diejenigen, die sich ihrer Dynamik verweigern und sie sogar noch dämonisieren, wie es das „Syndikat“ mit seinen instinktlosen Plakatmotiven tat.  
Reden wir über Mord.
Nachdem die ersten Pressemitteilungen und Kommentare zur Plakataktion des „Syndikats“ herausgingen, wurden innerhalb weniger Stunden die Email Adressen und Webseiten sowohl der daran beteiligten Autoren, als auch die der Aktion des „Syndikats“ durch so genanntes E-Mail-Bombing attackiert. Man machte die betreffenden Kollegen und die Webseite der Aktion im Internet kommunikationsunfähig.  
Das nenne ich „virtuellen Mord“.
Nicht nur ich verurteile das aufs Schärfste. 




 Anonymous Fan-Banner mit typischer Guy Fawkes Maske


Dieses Vorgehen – falls es denn überhaupt von realen „Anonymous“ -Aktivisten verübt, oder auch nur abgesegnet wurde –  unterbot selbst die Geschmacklosigkeit der „Syndikat“ – Plakatmotive.  Es beschädigte vor allem „Anonymous“ erklärtes Ziel sich für  Meinungsfreiheit im Internet einzusetzen.  Als „Anonymous“ im Zusammenhang mit der Diskussion über die geplanten Acta und SOPA Gesetzesvorlagen zeitweilig die Webseiten des FBI und des U.S. –Innenministeriums lahm legte,  wurde das in weiten Teilen der Netzgemeinde als opportun wahrgenommen. Aber beim FBI und dem U.S. Innenministerium handelte es sich um Institutionen.
Privatpersonen anzugreifen, die auf ihre ganz eigene Art ihre Meinungsfreiheit im Internet wahrgenommen haben, wird bei den Netzusern als deutlich weniger cool aufgefasst.
Auch „Anonymous“ hat einen Ruf. Aber auch der lässt sich am besten immer noch selbst ruinieren. In dieser Beziehung sind sich die beiden Kontrahenten in diesem bizarren „Mörderspiel“ näher, als sie es sich eingestehen wollen.
Krieg macht keinen satt. Krieg im Internet schon gar nicht. Alles, was der anrichtet ist nur noch mehr Porzellan zu zerschlagen. Hier hat die eine Seite erschreckende Naivität gezeigt. Die andere jedoch hat diese Naivität zum Anlass für einen pubertären pissing contest genommen.
Wir alle sind Teil einer Revolution. Ob es uns gefällt oder nicht.
Revolutionen blühen im Chaos. Und Revolutionen fressen ihre Kinder, wie Pierre Vergniaud das im revolutionären 18. Jahrhundert so eindrücklich formulierte. Aber irgendwann kommt im Verlauf jeder Revolution unweigerlich die Zeit des Ausgleichs, der Verhandlungen und der Kompromisse.
Es liegt vor allem an uns, den Usern, den Aktivisten und den Urhebern zu entscheiden, wie viel Staub noch aufgewirbelt und wie viel kulturelles Porzellan zerschlagen werden muss, bevor alle Seiten in diesem Streit sich endlich an einen Tisch setzen, um gemeinsam ausgewogene Antworten für die derzeit brennendsten Fragen im so genannten „Urheberrechtsstreit“ zu entwickeln.
Das hätte als angemessene Schlusspointe taugen können. Aber die wahre Pointe dieses Mörderspiels besteht darin, dass es im „Urheberrechtsstreit“, ja gar nicht mal um das Urheberrecht an sich geht. Sondern sich die Chose auf die simple Frage herunterreduzieren lässt:  Wie wollen wir in Zukunft die Verteilung von geistigem Eigentum im Medium des Internets geregelt sehen?
Ich weigere mich einfach zu akzeptieren, dass es unmöglich sein sollte diese simple Frage für alle Beteiligten angemessen zu regeln. Beenden wir also die Phase der Provokationen, krempeln die Ärmel auf und machen uns an die Arbeit. Sie wird kompliziert und mühevoll genug. Die Zeit drängt.

Sonntag, 4. März 2012

“The single Story “ – Rockstar oder Ploppstar?


Der Ebook-Markt wird täglich schneller, größer und lukrativer.  Sogar die Mahner, Trolle, Brüller und Unkenrufer haben alle Hände voll zu tun, mit der Entwicklung im Markt mithalten zu können. Einige unter ihnen sind von der Geschwindigkeit der Entfaltung des Ebook-Marktes so sehr geschockt, dass sie offenbar kaum noch mitzuhalten vermögen, was durchaus etwas heißen will. 
Ich rufe ausnahmsweise zur Entschleunigung auf. 




Chimamanda Adichie – ein Name, den in Deutschland nicht gar so vielen Lesern ein Begriff sein wird, erst recht, falls die sich nicht zufällig für echte Literatur abseits des Mainstreams interessieren.
Miss Adichie verpasst zu haben, ist gleich in mehreren Beziehungen bedauerlich. Doch da es nie zu spät für gute Bücher ist – kann man / frau die Bekanntschaft mit Chimamanda ja immer noch nachholen.
Ich will hier auch gar nicht in weitere Lobeshymnen auf die Romane der Frau ausbrechen, sondern auf einen Vortrag hinweisen, den sie vor einiger Zeit hielt. Chimamanda nannte ihn „The danger of the single story“ –  frei ins Deutsche übersetzt bedeutet dies „Die Gefahren einer einseitigen Geschichte“.
Chimamanda schildert darin wie sie, als nigerianisches Mädchen, mit den Geschichten und Traditionen der früheren Kolonialherren aufwuchs. Mit Geschichten, Erzählungen und Romanen also, in denen Schnee eine große Rolle spielte und etwas namens Ginger-Beer und Osterhasen und Weihnachtsmänner und grüne Tannenwälder. Geschichten, die mit Chimamandes eigentlicher Lebensumwelt in Nigeria nicht das Geringste zu tun hatten. Sie erzählt in ihrem Vortrag davon, welch steiniger Weg es für sie darstellte, sich aus dem Schatten solcher Geschichten von Ginger-Beer, verregneten grünen Hügeln und verschneiten Tannenwäldern zu lösen und ihre eigentliche Umwelt eines farbenfrohen ständig von Bürgerkriegen und Putschversuchen bedrängten afrikanischen Landes mit afrikanischen Traditionen und Problemen für sich als Sujet zu entdecken. 



Chimamanda Adichie: The danger of a single story



Man darf sich fragen, was Miss Adichies Weg zur ihrer persönlichen Stimme in der Literatur mit dem deutschen Ebook-Markt zu tun hat.
Die Antwort besteht paradoxerweise in einer Frage. Nämlich der, ob man als Ebook-Autor im deutschen Markt Rockstar oder besser Ploppstar sein will.
Es sind ja im Zusammenhang mit der Ebook Revolution bis zum Überdruß irgendwelche Parallelen zu bestimmten Entwicklungen innerhalb der Musikindustrie gezogen worden. Ich habe dies bisher eher zu vermeiden versucht.
Doch hier will ich meine Regel brechen und folgende Frage aufwerfen: Was haben Rockstars wie U2, Madonna, Sting oder - wegen mir -  auch die deutschen Ärzte (angeblich ja die schlechteste Band der Welt) richtig gemacht, dass sie ihr Publikum nicht nur für ein paar Wochen und Monate, sondern über mehrere Jahrzehnte zu fesseln vermochten?  Und gibt es irgendetwas das Autoren von Rockstars zu lernen haben?
Keiner, der sich je an größeren Texten versuchte, wird bestreiten wollen, dass es ein hartes Geschäft ist. Trotzdem schaffen es einige sich mit ihren Texten beim Publikum durchzusetzen, während andere – die womöglich genauso hart an ihren Arbeiten feilten -  es nie zum Gewinn des berühmt-berüchtigten Blumentopfes bringen.  
Man redet sich dann gerne auf die böse, einseitig auf Blockbuster fixierte Verlagsindustrie oder die vermeintlich verblödeten Leser hinaus, die angeblich nicht genug Geschmack und Weitsicht hätten, um wahre Größe zu erkennen.   Allerdings könnte es sein, dass Publikumsbeschimpfung nicht den richtigen Weg dazu darstellt, sich einen Namen im Buch-Geschäft zu machen.  Ich hab jedenfalls bisher noch nirgendwo gelesen, dass sich Bertholt Brecht, Patricia Highsmith, Graham Greene, Joseph Conrad, Terry Pratchett, Philip Pullman  oder Mario Puzo an Publikumsbeschimpfungen geübt hätten.
Doch etwas haben all diese Brothers and Sisters in Arts mit den wirklich lange populären Rockstars gemeinsam: sie haben a) nie aufgegeben und b) noch wichtiger – nie das Risiko gescheut ab und zu auch kontroverse Werke in die Welt zu werfen.
Wie Chimamanda Adichie hatten sie verstanden, dass eine eigene unverwechselbare Stimme im großen Konzert der Meinungen und Geschichten zu entwickeln zwar Mut brauchte, aber auch den besten Weg zum langfristigen Erfolg darstellten.
Nichts zu sagen gegen eine coole Vampirstory im Stil von Charlaine Harris oder einen dreiunddreißigtausendsten  Kopierversuch von „Harry Potter“ oder „Da Vinci Code“. In der Literatur ist grundsätzlich alles erlaubt, was ankommt und gekauft wird.  
Dennoch frage ich mich, ob das wirklich ausreicht, wenn man auch in vier oder fünf Jahren noch seine Ebooks unter die Leute bringen will. Ich fürchte, dazu sollte man eher zum Rockstar als zum Ploppstar tendieren. Oder – ein wenig Zeit damit verbringen nach seiner ganz persönlichen Stimme, seinem ganz persönlichen Sujet zu suchen, wie Miss Adichie dies tat.  Es gibt zwar genug One-Hit-Wonder, die man auch nach Jahren ganz gerne zufällig mal wieder hört.  Nur liegt wohl der wirkliche Witz an der alten Geschichte mit dem Blumentopf, den nicht jeder gewinnt, ja eigentlich darin, dass ihn nur derjenige wirklich sein eigenen nennen darf, der ihn mehr als einmal mit nach Hause nehmen durfte.
Ich frage mich daher, wo bleibt das Ebook mit dem vegetarischen ökofaschistischen Zombie und wo findet sich der neue Krimiheld, der es an Coolness, Amoral und Chuzpe locker selbst mit einem Tom Ripley aufzunehmen vermag? In wessen Kopf  entsteht gerade jene großartige Liebesschnulze, bei der selbst mir der Schamschweiß auf der Stirn zu perlen beginnt? Und wo verbirgt sich die Erzählung gegen welche sich selbst Conrads „Heart of Darkness“ wie eine bloße Fingerübung ausnimmt?
Doch statt neuen, interessanten und ungewöhnlichen Stories und Romanen stoße ich in diversen Foren und auf den einschlägigen Blogs immer wieder nur auf dieselben Diskussionen darüber, wie viel ein Ebook nun wirklich zu kosten hat. Oder weshalb es unter den Indie-Ebooks denn nun jemals irgendwelche literarische Perlen zu entdecken geben wird. Haben sich diese Themen vorübergehend einmal erschöpft, dauert es nie lange, bis die alte Frage danach wieder aufgewärmt wird, ob irgendein Verlag ein Buch noch unter Vertrag nehmen würde, nachdem es bereits als Ebook veröffentlicht worden ist. 
Aber spielt all das denn wirklich eine derartig große Rolle?
Denn der Markt erwartet Euch. Und noch nie zuvor war es so einfach gute Geschichten unter die Leute zu bringen. Weshalb tut ihr es dann nicht?
Geht ein Risiko ein. Stoßt die Leser auch mal vor den Kopf, statt immer nur irgendwelchen vermeintlich gerade angesagten Trends hinter her zu hecheln. Kein Mensch kann einem Autor doch jetzt noch vorschreiben, welche Art von Geschichten er erzählt und in welcher Form er dies tut.
Da draußen warten die Leser auf neue Geschichten. Also wozu kostbare Zeit damit zu verschwenden in diversen Blogs und Chats und Facebook-Gruppen darüber zu diskutieren, ob eine Schwemme von 99 Cent Ebooks in den Kindle-Charts nun den Markt für seriöse Autoren zerstört oder ob irgendwer in den Publikumsverlagen Bücher noch unter Vertrag nehmen würde, nachdem sie schon mal bei Amazon.de, Thalia oder im iTunes Store ihre Leser fanden.
Hört man die guten alten One-Hit-Wonder zufällig mal wieder im Radio, so zaubern die einem ja vielleicht ein kleines sentimentales Lächeln ins Gesicht. Bringen wirkliche Rockstars einen neuen Song heraus, mit dem sie die Erwartungen ihrer Fans bewusst gegen den Strich bürsten – dann zerreißen sich jede Menge Leute öffentlich das Maul darüber. Was – schon rein marketingmäßig - bestimmt nicht das Schlechteste sein muss, was einem Künstler zustoßen kann.   
Also - nur Mut! Fangt an! Schreibt was. Schreibt etwas NEUES.  Schreibt etwas, worüber es sich zu diskutieren lohnt.
Herr Gray dankt herzlich für die Aufmerksamkeit.






Donnerstag, 1. März 2012

Der Bling –Bling- Faktor im „Syndikat“ – kein Gangsta Rap.

Das „Syndikat“, die Vereinigung der deutschsprachigen Krimiautoren, sagt „Ja zum Urheberrecht“. Und damit’s auch der Letzte von uns ja bemerkt, bekräftigt man es mit Facebook-Postings und einem runden roten Button, den sich jeder, der mag, an seine virtuelle Brust heften darf.   
Ich bin Krimiautor.
Ich muss von meiner Schreibe leben und kann das auch.
Ich habe etwas für Urheberecht übrig. Jenes kleine © ermöglicht mir Brötchen auf den Tisch zu bringen und die Miete zu zahlen.
Ich sage trotzdem: Nein zum „Ja zum Urheberrecht“.
Das hat Gründe.
Doch bevor man über irgendetwas polemisiert, sollte man sich anschauen, worüber man genau herzieht. Also schauen wir doch mal, was das „Syndikat“ da zu den Motivationen seiner Aktion so anführt: 
„Das SYNDIKAT, die Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur, spricht sich nachdrücklich für den weltweiten Schutz geistigen Eigentums aus. Dies gilt insbesondere für das Medium Internet, in dem dieser Schutz immer häufiger missachtet wird. Das SYNDIKAT protestiert insbesondere gegen Bestrebungen von Politikern, wie etwa aus den Reihen der Piraten und dem Bündnis 90/Die Grünen, aber auch anderer Parteien, die das geltende Urheberrecht schwächen wollen. Die technischen Möglichkeiten des Internets erfordern keine Reformation des Urheberrechts, sondern eine faire Anpassung von Nutzungs- und Verwertungslizenzen.
Das SYNDIKAT wird sich für Aufklärung einsetzen, um bei Nutzern und Lesenden den Respekt, das Verständnis und die Achtung gegenüber den Leistungen der urhebenden SchriftstellerInnen zu stärken.“
Klingt doch gut, oder?
Da wird davon gesprochen die Rechte von Autoren zu stärken und von den Lesern, die zweifellos Verständnis dafür aufbringen, dass auch der Schriftsteller Geld auf’s Konto zu bekommen hat, weil nur dann der Mann/die Frau in der Lage ist neue Texte zu verfassen, die wiederum die Leser erfreuen und unterhalten.
Ich bin ganz und gar dafür die Rechte von Autoren zu stärken. Und ich bin gewöhnlich auch von jeder Aktion begeistert, die sich dafür stark macht meine Rechte als Autor zu untermauern.
Aber ich bin auch für klare Ansagen und eindeutige Aussagen. Erst recht in einem Manifest oder Aufruf, wie dem mit welchem sich das „Syndikat“ vermeintlich für das Urheberrecht stark macht.
Nur vermisse ich gerade hier klare Aus- und Ansagen. Alles, was ich aus der Veröffentlichung des „Syndikats“ herauslese ist eine Ansammlung von unbegründeten Behauptungen.  Da wird nur dunkel munkelnd von irgendwelchen “Bestrebungen von Politikern, wie etwa aus den Reihen der Piraten und dem Bündnis 90/Die Grünen, aber auch anderer Parteien, die das geltende Urheberrecht schwächen wollen” parliert.   
Doch wer hat da was und wann und wo gesagt oder geschrieben?  Was sind jene offenbar dämonischen „Bestrebungen“ exakt? Wohin zielen sie und was wären deren Auswirkungen auf die Arbeit der Autoren?
Leider ist dazu keine klare Auskunft in dem Text zu finden.  Doch darauf käme es an, will man mich als Autor davon überzeugen, mir in aller Öffentlichkeit jenen roten Button ans Facebook – Avatar zu heften oder irgendwo in meinem Blog sichtbar zu machen.
Das Urheberrecht ist ein notwendiges Konzept, das  in Zeiten von ständiger Verfügbarkeit von Informationen, Texten und Daten einer ausgewogenen Anpassung bedarf, ist unbestritten.   Und zwar einer Anpassung, die allen Seiten gerecht wird, nicht nur den großen Verwertern, wie den Verlagen oder Vertriebsplattformen à la Amazon, Apple oder Thalia, sondern auch mir, dem Autoren. Demjenigen, der all diesen Leuten das liefert, wovon sie ihre Umsätze bestreiten: die Inhalte nämlich (neuhochdeutsch auch ganz gern mal „Content“ genannt).
Ich vertreibe den überwiegenden Teil meiner Texte in Form von Ebooks und bin erfolgreich damit. Doch das „Syndikat“, jene Damen und Herren, die unter anderem auch mich zu ihrem „Ja zum Urheberrecht“ aufriefen, würden mich in ihre heiligen Hallen nicht einlassen, da ich mich bewusst dazu entschlossen habe, den Großteil meiner Krimis, Thriller und Shortstories  selbst zu vermarkten, statt dies irgendeinem Verlag zu überlassen. 



Also: Wo bitte schön, liebes „Syndikat“, bleiben meine Rechte bei Eurer Aktion?
Wo bitte schön, liebes „Syndikat“,  setzt ihr Euch dafür ein, dass sich zum Beispiel die VG-Wort dreht und die Form der medialen Vermarktung, welche ich wählte, anerkennt?
Denn das tut sie nicht.
Bislang gilt dort:
Selbstpublizierte Ebooks?
Sorry - sind keine richtigen Bücher.
Geht uns nichts an.
Doch genau da – bei der VG-Wort, jener Institution, die in unserem Land dafür sorgt, dass meine Rechte als Autor gewahrt bleiben, indem sie mir anteilig Geld aus Zweit- und Drittverwertungen ausschüttet, sehe ich zu aller erst einen Bedarf Druck zu machen. Nicht nur in meinem Namen, sondern auch in dem der vielen anderen selbstpublizierenden Autoren und Autorinnen.
Oder habe ich Eure Aktion dazu womöglich in den unendlichen Weiten des Internets übersehen, liebes „Syndikat“?
Ist die womöglich gerade im Entstehen und wird man demnächst vielleicht mit einem blauen Button dafür werben, dass Ebooks auch von Autoren verfasst werden und daher genauso „schutzwürdig“ sind wie gedruckte Texte oder solche, die auf Blogs veröffentlicht wurden? Seltsamerweise werden diese von der VG-Wort ja durchaus als schutzwürdig anerkannt.
Teilt es mir mit, liebe Kollegen vom „Syndikat“. Es ist ganz leicht mich zu finden:  Eure Sprecherin Frau Angela Eßer ist mit mir auf Facebook befreundet.
Ich bin gespannt auf Eure Reaktion.
Doch solange ich bei Euch nur als „Schmuddelkind“ gelte und mit irgendeinem lauwarm aufgebrühten Gebräu aus unbegründeten Behauptungen und Polemik zur Teilnahme an Eurer Aktion verlockt werden soll, ist mir mein guter Name weiterhin zu schade ihn öffentlich damit zu verbinden.
Falls ihr jedoch jemals eine Aktion zur Anerkennung von Ebooks bei der VG-Wort startet,  werde ich mich beteiligen, versprochen.  Dann hefte ich mir sehr gerne in aller Öffentlichkeit jenen neuen Button an meine virtuelle Stellvertreteridentität an. 
Ich fürchte nur, statt irgendeiner Neuigkeit über die Entwicklung blauer Button, werde ich nach Veröffentlichung dieses Gastbeitrags eine ganze Mengte Facebookfreunde weniger haben, aber dafür einige schlechte Rezensionen unter meinen Ebooks bei Amazon.de mehr auftauchen.
Sei’s drum.




Donnerstag, 19. Januar 2012

Die weite Welt – Die Arbeit der Übersetzer

Zunächst einmal muss ich ja zugeben, dass dieser Blogpost aufgrund eines Missverständnisses zustande kam, ich glaubte nämlich die Mitglieder des VdÜ - des Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke – bieten nicht nur Übersetzungen ins Deutsche, sondern vor allem auch Übersetzungen aus dem Deutschen in alle wichtigen Fremdsprachen an.
Dies scheint jedoch so nicht der Fall zu sein.
Dennoch denke ich, dass es sich für alle von uns Autoren lohnt mehr über den VdÜ und die offenbar häufig unterschätzte Arbeit seiner Mitglieder zu erfahren.

Ich habe daher ein Interview mit Luis Ruby vom VdÜ arrangiert.


Luis, worin sieht der VdÜ seine Hauptaufgabe?


Zunächst einmal vielen Dank für Deine Einladung, David. Der VdÜ vertritt zum einen die wirtschaftlichen Interessen von Literaturübersetzer/inne/n nicht zuletzt in Form von Verhandlungen mit den Verlagen. 
Dies schließt die Beratung von Mitgliedern in Vertragsfragen sowie nötigenfalls den Rechtsschutz ein, den diese als Angehörige der Bundessparte Übersetzer in ver.di genießen.
Andererseits ist der VdÜ ein Ort der Vernetzung, an dem sich Übersetzer miteinander in vielfacher Weise austauschen können. Auf unserer Jahrestagung, die jeweils im Juni ein Wochenende lang in Wolfenbüttel stattfindet, halten wir öffentliche Lesungen ab, bilden uns in gemeinsamen Workshops fort und feiern zusammen.
Das dringendste Anliegen des VdÜ ist zurzeit sicherlich die Durchsetzung angemessener Honorare. Die Urheberrechtsnovelle von 2002 hatte ja vor zehn Jahren zum Ziel, sämtlichen Urhebern zu einer angemessenen Vergütung zu verhelfen. Übersetzer mussten inzwischen in langwierigen Prozessen höchstrichterliche Urteile zu dieser Frage erreichen, damit sich die uns angebotenen Verträge verbessern. Die Vorgaben des Bundesgerichtshofs sind eindeutig, an der Umsetzung durch die Verlage hapert es noch ein wenig.
Weitere Informationen (konkret zu unserer Tätigkeit) finden sich auf der Homepage unseres Verbandes.


Aus deiner eigenen Erfahrung, was ist die Hauptschwierigkeit bei der Übersetzung eines fiktionalen Texts?


Okay, hier kann ich natürlich nur als Privatperson sprechen. Aus meiner Sicht gibt es keine *konstante* Hauptschwierigkeit, da jeder Text anders ist (und jeder Übersetzer auch).
Manchmal erfordert bereits das Erfassen des Originals einen hohen Aufwand. Die Frage: 'Was macht der Autor da sprachlich?' kann kompliziert zu beantworten sein. Fiktives Beispiel: Um zu kapieren, dass der Satz "it was raining cats and hogs" ein Wortspiel enthält, muss ich erstmal wissen oder eben herausfinden, dass hinter der Formulierung eine übliche Redewendung steckt. Oder war das nur ein Druckfehler? (lächelt)
Meistens würde ich allerdings doch sagen, dass die Hauptschwierigkeit darin besteht, auf Deutsch "dasselbe mit anderen Worten" zu leisten. Regnete es da 'Bindfäden'? Könnte sein, je nach Kontext.
Schwieriger wird es, falls ein Original verschiedene Redeweisen, möglicherweise auch subtile Abweichungen von sprachlichen Standards verwendet. Slang, Soziolekte können einen wahnsinnig machen, beziehungsweise tief bedauern lassen, dass man hier nicht so aus dem Vollen schöpfen kann, sondern sich mit einem relativ kleinen Set an übersetzungsstilistischen Mitteln behelfen muss.
Die immer neuen Anforderungen an Übersetzungen (oder an die Person des Übersetzers mit seinen oder ihren jeweiligen Fähigkeiten) haben natürlich auch etwas sehr Reizvolles. Man lernt immer wieder dazu, vertieft seine Wahrnehmung, sucht und findet neue Mittel.


Hast Du einen Rat für all die Kollegen irgendwo dort draußen, die derzeit darüber nachdenken ihre Ebooks übersetzen zu lassen, um sie auch in anderen Sprachregionen anbieten zu können? Wohin sollten die sich wenden, um erfahrene Übersetzer zu finden?


An persönliche Kontakte? Übersetzer kennen oft andere Übersetzer, auch in andere Sprachen. Wenn man keinen persönlich kennt, gibt es eine vom VdÜ unabhängige Mailingliste für Literaturübersetzer, in der sich unkompliziert Anfragen platzieren lassen. Gut möglich, dass da geeignete Kandidaten mitlesen oder jemand irgendwen empfehlen kann.
Schließlich könnte man sich auch noch an die Übersetzerverbände der jeweiligen Länder wenden.


Gibt es irgendetwas, was ihr vom VdÜ euch von uns Autoren wünscht – so ganz allgemein?


Interessante Bücher? (lacht)
Im Ernst, natürlich ist es oft nützlich, wenn Autoren bereit sind, Übersetzern Fragen zu beantworten. Manche vernetzen ihre Übersetzer sogar untereinander, so dass alle die entsprechenden Informationen mitbekommen.
Manche Autoren legen ihren Übersetzern gegenüber eine besondere Form der Loyalität an den Tag, indem sie in ihren Verträgen mit dem Verlag eine Beteiligung am Verkaufserfolg für den Übersetzer festschreiben lassen.
Sollten Autoren, wie oben angesprochen, ihre E-Books selbst übersetzen lassen, so ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen und vernünftige und faire Verträge miteinander abzuschließen. Eine Orientierung kann dafür der Normvertrag bieten, dessen aktuelle Fassung allerdings auch schon zwanzig Jahre zurückliegt. (Der auf derselben Seite aufgeführte Schweizer Normvertrag ist da, glaube ich, etwas aktueller.)
Ganz allgemein denke ich, dass Autoren und Übersetzer viele Interessen miteinander teilen und es sich lohnt ins Gespräch zu kommen, wie wir es heute getan haben. In diesem Sinne noch einmal danke schön!




Nachdem Luis so freundlich war meine Fragen zu beantworten, stellte er mit einem Lächeln auch seinerseits eine Frage  in den Raum, die ich den Lesern keinesfalls vorenthalten möchte.

Luis fragte sich nämlich was wir Autoren uns denn von den Übersetzern wünschten.

Also wer immer mag und eine Frage an Luis Ruby hat – einfach einen Kommentar hier auf dem Blog hinterlassen...

Donnerstag, 12. Januar 2012

Das Jammertal im Feierabendbus – der Buchmarkt 2011

Das ZDF und RTL, die ARD und die FAZ tun es, jetzt tut es auch Herr Gray: zurückblicken nämlich, auf ein außerordentliches Jahr.
Als ich im April 2011 meine Schublade öffnete und einen meiner Romane bei Amazon.de als Kindle-Ebook online stellte, tat ich das in der Hoffnung damit im Laufe der Zeit vielleicht ein paar hundert Leser zu erreichen.  Zwar hatte ich schon länger durchaus ein Auge auf die großen Veränderungen denen der US und UK Buchmarkt in den letzten Jahren unterlag, doch war ich mir auch ziemlich sicher, dass so einiges, was sich da in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit entwickelte, bestimmt nicht Eins zu Eins auf den deutschen Buchmarkt zu übertragen sei.
Heute im Januar 2012 und etwa 7.500 verkaufte Ebooks später, bleibt mir nur einzugestehen, dass meine Prognosen zur Entwicklung des deutschen Ebook-Marktes  eindeutig zu zaghaft ausfiel.
Ich kann hier nur meinen tiefen Dank an alle meine Leser ausdrücken und hoffen, dass ich sie auch mit meinen neuen, für 2012 geplanten Ebook-Veröffentlichungen, nicht enttäuschen werde.
Dennoch werde ich hier nicht mehr länger meine eigene Feder spitzen, um all jene Veränderungen und Entwicklungen zu kommentieren, die der deutsche Buchmarkt im gerade vergangenen Jahr durchgemacht hat. Das tat bereits – viel besser als ich das könnte - mein geschätzter Kollege Wolfgang Tischer von literaturcafe.de.
Vorhang auf also, für Wolfgang Tischers klugen und amüsanten Jahresrückblick: 



Donnerstag, 15. Dezember 2011

Der Hirte - Richard Dübell übers Selbstpublizieren

Wer in den letzten Monaten auf den Ebook-Markt in Deutschland geachtet hat, dem kann nicht verborgen geblieben sein, dass diesen Markt ein Unternehmen bislang absolut dominiert: Amazon.de.
Wie schon in USA und UK soll nun auch in Deutschland und angrenzenden deutschsprachigen Gebieten das Weihnachtsgeschäft mit Amazon’s Kindle eReadern für einen Preis von etwas unter 100 Euro diese Vormachtstellung weiter ausbauen. 
Nach meiner eigenen bescheidenen Prognose wird sich die ganz große Revolution im deutschen Buchmarkt zwar letztlich etwas zäher gestalten als im englischsprachigen Raum. Doch aufzuhalten ist diese Revolution auch nicht. Ich selbst habe von den Veränderungen des Buchmarktes profitiert und hoffe dies auch weiterhin zu tun.
Diese Veränderungen im Buchgeschäft weisen allerdings auch einige durchaus überraschende und sympathische Comebacks auf. Zum Beispiel den des Fortsetzungsromans, wie er zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis etwa in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts üblich war.
Ich schrieb ganz bewusst „Fortsetzungsroman“. Ein Fortsetzungsroman zeichnet sich durch die Konzentration auf einen Handlungsbogen aus, der eben nur in verschiedenen Teilen erzählt wird, ganz genauso, wie man es auch vom klassischen Roman der herkömmlichen Erzählung oder Novelle gewohnt ist. Noch Mitte des 20 Jahrhunderts gab es keine Tageszeitung und kaum ein Magazin, die nicht in ihren aktuellen Ausgaben die neueste Folge eines solchen Fortsetzungsromans präsentierte. Damals herrschte Goldgräberstimmung unter den Literaten. Wer von ihnen es fertig brachte, sein neuestes Werk an eine der großen Zeitungen als Fortsetzungsgeschichte zu verkaufen, war zumindest für eine Zeitlang ein gemachter Mann. Von Alexandre Dumas über Conan Doyle bis hin zu Erich Maria Remarque und sogar Heinrich Böll war sich kaum einer der literarischen Publikumslieblinge zu schade dazu seine aktuellen Titel als Fortsetzungsgeschichte „serialisieren“ zu lassen, wie man das seinerzeit nannte.
Nachdem sich der Lübbe Bastei Verlag bereits an einem Ebook-Serienprojekt versuchte, nämlich der so genannten Webnovel „Apokalypsis“ (einer Verschwörungsgeschichte a la Dan Browns „Da Vinci Code“ oder „Lost Symbol“) hat sich nun auch der bekannte Historienromanautor Richard Dübell an ein solches Unternehmen gewagt.  Nur noch weiter verstärkt wurde meine Neugier auf Richards „Hirten“ - Projekt als mir klar wurde, dass er dies als Selbstpublizierer in Zusammenarbeit mit seiner Literaturagentin Dr. Anke Vogel und Amazon.de angegangen war. 


 Richard Dübell Autor von "Der Hirte"

Ich fand, dass dies Grund genug sei, Richard um einige nähere Auskünfte zu seinem Projekt „Der Hirte“ zu bitten.  Richard war dann auch sofort so freundlich einem Interview mit mir zuzustimmen. 

Was hat Dich zu dem Projekt „Der Hirte“ veranlasst?

Ich wollte seit langem eine Weihnachtsgeschichte schreiben. Diese sollte den unverkennbaren Dübell-Touch haben, also historisch im Mittelalter angesiedelt sein, tempo- und actionreich sein und zugleich den nötigen Tiefgang besitzen.
Das Thema war mir schnell klar, da es vom Weihnachtsgedanken ja mehr oder weniger vorgegeben wird: Vergebung.
Mir lag viel daran, dieses Thema vielschichtig zu gestalten; daher geht es nicht nur darum, anderen deren Fehler zu verzeihen, sondern in erster Linie sich selbst für das vergeben zu können, was man am meisten an sich hasst. Dies wollte ich in mehreren Facetten und ineinander übergreifenden Beziehungen der Protagonisten schildern.
So weit, so schlecht, denn im Rahmen dieser selbst gemachten Vorgaben fiel mir keine Story ein, die nicht irgendwie abgedroschen gewesen wäre. Dann erzählte mir eine Freundin von einer Kurzgeschichte von John le Carré, die ihr sehr gefallen hatte: „Der Lotse“. Ich musste nur die Hälfte ihrer Erzählung hören, da war mir klar, welchen Weg meine eigene Story nehmen würde.
Eine Geschichte zu schreiben ist aber nur ein Teil der Arbeit. Eine Geschichte will auch gelesen werden. Wie sollte ich meinen Leserinnen und Lesern nun die Geschichte (die im Übrigen innerhalb weniger heißer Augusttage entstand, also ein größeres Quäntchen Fantasie benötigte, um sich die Kälte und den Schnee vorzustellen) nahe bringen?
Auf die nächste Weihnachts- oder Kurzgeschichtenanthologie zu warten erschien mir nicht Ziel führend. Glücklicherweise hatte ich im Sommer auch ein längeres Gespräch mit meiner damaligen Agentin und guten Freundin Anke Vogel geführt, in dem es um die Vermarktungsmöglichkeiten von Texten als originale e-Books ging. Von da an war es dann nur noch ein kleiner Gedankenschritt – und die Erkenntnis, wie engagiert Amazon in diesem Herbst die Einführung des Kindle vorantrieb – um an Amazon heranzutreten und eine exklusive Zusammenarbeit vorzuschlagen.
Mein Vorschlag sollte für beiden Seiten gewinnbringend sein. Ich würde der erste bekannte deutsche Autor sein, der eine Story exklusiv für AmazonKindle schrieb, und Amazon würde ein Projekt haben, mit dem sich für den Reader Marketing machen ließ. Zugleich würde meine eigene Präsenz im Internet und meine Bekanntheit in der Kindle-Gemeinde gesteigert werden.

Wie hast Du das gestaltet/ schreiberisch / wie lange hast Du an dem Projekt gearbeitet?

Die Story war von Anfang an als Novelle ausgelegt; mein persönliches Ziel war es, sie in maximal 100 Normseiten zu erzählen. Am Ende sind es 89 geworden. Man hat ja mit der Zeit recht gut im Gefühl, wie viele Seiten eine Geschichte braucht, um erzählt zu werden. Geschrieben habe ich „DER HIRTE“ innerhalb weniger Tage, die Recherche in Internet und in diversen Büchern sowie ein Telefonat mit dem Stadtarchiv in Trier und eines mit der Nationalparkverwaltung Eifel eingeschlossen.
Normalerweise begnüge ich mich nicht mit einer Fernrecherche, sondern suche alle Orte, an denen meine Geschichten spielen, persönlich auf.
In historischen Romanen spielt die (möglichst unauffällig zu bewerkstelligende) Pädagogik, d.h. die Informationsvermittlung über die Epoche und die Orte, in denen die Geschichte spielt, eine große Rolle. Bei „DER HIRTE“ aber lag der Fokus ausschließlich auf der Story. Daher musste ich mich mehr oder weniger nur über ein paar örtliche Gegebenheiten rückversichern und klären, ob es zutrifft, dass Ende des zwölften Jahrhunderts tatsächlich hungrige Wolfsrudel wegen der bitteren Winterkälte bis vor die Mauern der Stadt kamen.
Während des Live-Blog bei Amazon wurde mir die Frage gestellt, warum ich denn das Klischee des „bösen Wolfs“ bemüht habe. Das hängt zunächst mit dem Thema der Story zusammen. Eine Gruppe von Reisenden wird durch einen winterlichen Wald gejagt von einem Feind, mit dem man nicht kommunizieren kann und der den Protagonisten erbarmungslos auf den Fersen bleibt. Dabei sind die Wölfe und ganz besonders der Anführer des Rudels in erster Linie ein Symbol für die Selbstvorwürfe, mit denen sich die Charaktere quälen und die sie auch nicht loswerden können. Aber die Wölfe sind auch dramaturgisch notwendig. Wem sonst würde man in einem mittelalterlichen, verschneiten Wald zutrauen, eine Gruppe Reisender zu jagen? Auch wenn es im realen Leben äußerst selten vorkam/vorkommt, dass Wölfe menschliche Beute zu Tode hetzen, haben wir doch alle irgendwo in uns (gestärkt durch Jahrhunderte Propaganda) das Bild vom Wolf als dem gnadenlosen Feind des Reisenden. Man muss in der Fiktion mit Archetypen arbeiten, um die richtigen Bilder im Kopf der Leser hervorzurufen. Der Wolf ist nun mal in unserem Kulturkreis – unverdient – der Archetyp des bösen Raubtiers. Nicht zuletzt findet sich im Anführer der Wölfe aber auch ein Spiegel für Rainald von Mandach, die männliche Hauptperson der Geschichte; aber das hier genauer auszuführen, hieße einen mächtigen Spoiler zu produzieren, also lasse ich es bei dieser Andeutung. 

Wer hat das Cover gestaltet und wie bist Du zu dem Cover-Künstler gekommen? 

Das Cover habe ich selbst gestaltet unter Verwendung mehrerer eigener Fotos (u.a. eines Wolfs aus dem Nationalpark Bayerischer Wald), die ich in Adobe Photoshop zusammengebastelt und verfremdet habe. Wer das Cover also nicht mag: ich bin schuld!!!
 
Wie reagierte Dein Hausverlag auf Dein "Hirten" -Projekt, aufgeschlossen, oder zunächst eher reserviert?

 Mein Hausverlag Bastei Lübbe steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber, da ich ihm natürlich die Chance gab, die Geschichte selbst elektronisch zu vermarkten. Da sie aber nicht ins derzeitige Vertriebskonzept passte, gab es keinerlei Gebrummel, als ich mich an Amazon wandte.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Amazon, lief die über Deinen Verlag oder Deine Agentur?

Ich bin - in Abstimmung mit meiner damaligen Agentin - von mir aus auf Amazon zugegangen. Meine Agentur als dritte Partei einzuschalten, erschien uns beiden bei dieser Aktion als überflüssig. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen bei Amazon war äußerst angenehm, immer konstruktiv und sehr freundlich. Es hat großen Spaß gemacht und einmal mehr gezeigt, dass auch hinter einem so riesigen, mächtigen Gebilde wie Amazon letzten Endes Menschen stehen. Die Menschen, die ich dort kennen lernen und mit denen ich zusammenarbeiten durfte, waren alle klasse!

Bist Du mit dem bisherigen Verlauf  des Projektes zufrieden? Was erwartest Du Dir davon in näherer Zukunft?

Die Downloadzahlen des ersten Teils der Geschichte waren phänomenal und haben meine Erwartungen weit übertroffen. Bei den weiteren Teilen haben sich die Zahlen auf ein Maß eingependelt, wie ich es eigentlich erwartet habe. Ich gehe aber davon aus, dass sich das Interesse noch einmal steigern wird, wenn der ganze Text ab dem 23.12. zum Download bereitsteht und wenn nach Weihnachten all diejenigen, denen das Christkind einen Kindle unter den Baum gelegt hat, auf die Suche nach e-Books für ihren Reader gehen. Natürlich hoffe ich, dass auch Amazon die Aktion als Erfolg werten kann und dass unsere Zusammenarbeit fortgesetzt wird. Diverse Pläne dazu haben wir bereits besprochen.
  
Was sind Deine Pläne über das Thema e-Book hinaus?

Ich habe mit der Arbeit an meinem neuen historischen Roman für Bastei Lübbe begonnen. An dieser Stelle kann ich auch verraten, dass es darüber hinaus einen modernen Krimi aus meiner Feder geben wird (bei Ullstein), der auf seine ganz eigene Weise seinen Autor nicht verleugnen kann, indem er nämlich Bezüge zum Mittelalter aufweist.
Aber es wird keine Zeitreise-, keine Archäologen- und auch kein Aus-unerfindlichen-Gründen-wird-jemand-aus-dem-Mittelalter-in-die-Gegenwart-versetzt-Geschichte. Im Herbst 2012 erscheint zudem mein erster Jugendroman bei Ravensburger.
Meine freie Zeit dazwischen fülle ich mit zwei Schreibwerkstätten aus, die ich in meiner Heimatstadt Landshut (im Januar 2012) und in München (im März 2012) anbiete. Wer sich dafür interessiert – Näheres kann man bei meiner Eventagentur www.events-fuer-autoren.de  erfahren. Da gibt’s auch Gutscheine für diejenigen, die ein kreatives Schreib-Wochenende als Weihnachtsgeschenk vergeben wollen …

Soweit Richards Auskünfte zu meinen Fragen an ihn, für die ich mich hier noch einmal herzlich bedanke.
Ob Richards Pläne aufgehen, mit seinem „Hirten“ zu den ganz großen „Abräumern“ im weihnachtlichen Ebook-Geschäft zu zählen, wird die Zukunft erweisen.
Doch eines beweist Richards Projekt jetzt schon: Dass es offenbar weder dem Geldbeutel noch der Reputation eines arrivierten Autors schaden muss, sich in Verbindung mit einem sowohl marketingmäßig interessanten, wie literarisch sympathischen Projekt, als Selbstpublizierer zu versuchen.

 "Der Hirte" 1. Teil, kostenlos zu haben bei Amazon